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Das Vorwort & Glosse aus dem Beepworld Newsletter

aus dem seit 10 Jahren erscheinenden Beepworld Newsletter


Sonntag, 05. Januar 2014

Beepworld.de - NEWSLETTER #202 vom 04.01.2014

Von thofi, 13:04

VORWORT
Haben Sie kürzlich der einen oder anderen Weihnachts- oder Neujahrsansprache gelauscht? Von Präsidenten, dem Papst, Königinnen oder Regierungschefs je nach Inhalt gediegen, betroffen, optimistisch oder pessimistisch vorgetragen?
In Erinnerung geblieben ist mir persönlich davon nur eine:
Die alternative Weihnachtsansprache von Edward Snowden, als kurzes Video vom britischen Channel 4 ausgestrahlt und im Netz zu finden. Genau, dem Whistleblower Snowden, dem wir durch Offenlegen von NSA Dokumenten die Gewissheit verdanken, dass alle Geheimdienste der Welt unser Leben ausspionieren, je nach technischen Möglichkeiten der eine mehr und der andere weniger, die Amerikaner deutlich mehr, nämlich alles. Dazu muss man nicht Kanzlerin, deren Handy von der NSA und dem britischen Geheimdienst abgehört wurde, brasilianische Präsidentin oder G8 Gipfelteilnehmer sein.

Snowden haut uns in seiner Ansprache in provozierend gelassenem Tonfall Ungeheuerlichkeiten um die Ohren, wie die dass die Privatsphäre de facto abgeschafft wurde, weil wir alle mit Sendern, Empfängern, Sensoren, Mikrofonen und Kameras in der Tasche nahezu 24 h am Tag herum laufen, vulgo Handy genannt, und wir damit verfolgt werden wohin wir auch gehen.
Man achte auf die Wortwahl: Nicht können, sondern werden! Oder dass Kinder von heute groß werden, ohne zu wissen, was es bedeutet, auch nur einen nicht aufgezeichneten oder privaten Augenblick zu haben. Die Überwachung, so Snowden, sei bereits weiter vorangeschritten als von George Orwell in seiner Vision vom "Big Brother" im Roman "1984" beschrieben.

Welches Vertrauen wir in unsere neue Regierung setzen können hängt auch davon ab, wie ernsthaft sie politische und technologische Vorstöße unternimmt, um die unerträgliche Massenüberwachung durch in – und ausländische Geheimdiensten zu stoppen,
meint euer thofi.

GLOSSE
Es ist soweit. In diesen dunklen Tagen von Advent bis über die Jahreswende hinweg sind wir alle ja eher versöhnlich eingestellt. Und deshalb ist jetzt ein guter Zeitpunkt, ja jetzt. Jetzt sollten auch Sie endlich. Es gibt genügend prominente Vorbilder.

Queen Elisabeth II hat es gerade getan, und ihr Haus hat 60 Jahre dazu gebraucht. US Präsident Obama hat es vor ein paar Wochen getan und das nach 54 Jahren. Bei Papst Johannes Paul II waren es schon 360 Jahre, aber klar, die Kirche denkt ja auch eher in Jahrhunderten als in Dekaden. Und Sie? Am besten sofort starten, denn Sie wollen doch dem Englischen Königshaus keine Konkurrenz machen, Obama nicht und dem Vatikan schon mal gar nicht.

Na gut, um Sie zu motivieren, sag´s ich ihnen jetzt: Die britische Königin Elisabeth II hat kürzlich den genialen Mathematiker Alan Turing begnadigt, dem Begründer der modernen Informatik als Grundlage der heutigen Computertechnik, dem Entzifferer des nazideutschen Geheimcodes Enigma, schlappe 60 Jahre nach seinem Suizid als Folge einer chemischen Kastration. Der musste er sich unterziehen, da er – pfui aber auch -, homosexuell war, damals in England ein Verbrechen.

Kriegsentscheidende Verdienste ums Vaterland hin oder her, bei solchen Verhaltensauffälligkeiten war die britische Königin damals so gar nicht amused. Falls ihnen das noch nicht reicht um Sie zu überzeugen: Präsident Obama hat kürzlich bei der Beerdigung von Nelson Mandela mit einem freundlichen älteren Herrn lateinamerikanischer Herkunft neben ihm höflichen Smalltalk ausgetauscht und die Hand geschüttelt, was vielleicht nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft werden wird. Aber nach 59 Jahren Embargo-begleitende Sprachlosigkeit war das schon mal ein Eisbrecher, sofern Obama es denn wußte, dass der Mann neben ihm Fidel Castros Bruder war, der jetzige „El Commandante“ Kubas, Raoul Castro.

Wer Galileo Galilei war, weiß der Vatikan dagegen sehr genau. Immerhin hatte ihn die Inquisition der katholischen Kirche 1633 zu lebenslänglichen Hausarrest verurteilt, weil er glaubenswidrig aber tatsachen-entsprechend verkündete, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Sehr dumm, wenn der Kirche nun mal das Gegenteil besser in die Ideologie vom Papst als Zentrum des Universum passte. Und dazu musste doch gefälligst die Erde der Drehmittelpunkt des Sonnensystems, ach was sag ich, des Universum sein. Da stellt sich mir doch gleich die Frage, ist das Universum katholisch? Aber das nur am Rande. Bereits 1979 beauftragte der damalige Papst ein Gremium, über eine mögliche Rehabilitierung von Galileo nach zu denken und nur 13 Jahre und unzählige Gebete später war der Job erledigt und man kam zur Erkenntnis: So ganz Unrecht hatte Galileo leider nicht.

Am 31. Oktober 1992 hielt Johannes Paul II. dann jene Rede vor der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, die man als Entschuldigung an Galileos Adresse interpretieren kann, da der Papst in ihr die Verurteilung des Wissenschaftlers revidierte und damit dessen Ehre auch von Seiten der Kirche wieder herstellte. Seine Verwandten werden erfreut gewesen sein.

Und jetzt Sie. Nun gehen Sie doch endlich rüber zu ihrem Nachbarn, entschuldigen Sie sich und beenden Sie den jahrelangen gutnachbarlichen Streit, auch wenn Sie längst vergessen haben, womit der damals begann.

Freitag, 18. Oktober 2013

Beepworld.de - NEWSLETTER #201 vom 22.09.2013

Von thofi, 11:32

VORWORT
Wenn Sie sich entscheiden müssten, weniger Privatsphäre und Datenschutz oder weniger Sicherheit, wofür wären Sie? Darauf nämlich läuft es in der gegenwärtigen Diskussion hinaus:
Nach Edward Snowdens abenteuerlichen Enthüllungen von flächendeckender, Globus umspannender Belauschung aller digital kommunizierender Menschen, Freund oder Feind, Computer, politischer Gremien und Unternehmen durch die Geheimdienste dieser Welt, unter der Federführung des amerikanischen Geheimdienstes, der NSA. Läuft es tatsächlich darauf hinaus? Glauben lassen will man uns das. Innenminister Friedrich hat für uns entschieden: Sicherheit ist ein Supergrundrecht, steht also über allen anderen. Übersetzt heißt das: Entsprechend muss Sicherheit mit allen Mitteln erreicht werden! Wenn aber jedes Mittel recht ist im Kampf gegen das Böse, unterscheiden sich bald die Guten nicht mehr von den Bösen, die sie verhindern wollen.
Schauen wir mal genauer hin: Seit dem Anschlag 2001 auf das World Trade Center in New York, dem Ereignis, das eine beispiellose gesetzliche Einschränkung der Bürgerrechte, dem sog. Patriot Act, zur Folge hatte, hat es in den USA ca. 30 Tote durch Terroranschläge gegeben. Im selben Zeitraum sind aber über 300.000 Menschen in den USA durch Schusswaffen ums Leben gekommen. Der Patriot Act mit seinem ohnehin minimalen Rest an verbliebenen Bürgerrechten, wohlgemerkt für Amerikaner nicht für Ausländer, ist seither noch deutlich verschärft worden, wird aber trotzdem nachgewiesener Maßen völlig missachtet von der NSA; der Besitz und Gebrauch von Schusswaffen aber bleibt unverändert legal.
Das darf uns nicht wundern, denn bei der flächendeckenden Überwachung geht es um viel mehr als um die von uns kleingeistigen Bürgern naiv eingeforderten albernen Bürgerrechte. Hier werden die Brückenposten für den schwelenden Cyberkrieg eingerammt, strategische Ziele ausgespäht, Vorbereitungen getroffen, um über eingeschleuste Trojaner und unter aktiver Hilfe großer amerikanischer Softwareunternehmen in Softwareprogramme eingebaute Hintertüren für die NSA auf Knopfdruck physische Zerstörungen auslösen zu können. „Strategische Ziele“, das klingt so abstrakt, sind aber sehr konkret: Staudämme, Kraftwerke, Flieger, Schiffe usw. Allein die Folgen eines provozierten mehrtägigen Ausfalls der Stromnetze eines gesamten Landes sind kaum aus zu denken. Wie das geht hat uns der erfolgreiche vermutlich amerikanisch-israelische Einsatz des eingeschleusten „Stuxnet“ Schadprogramms gezeigt, der einen Großteil iranischer Ultrazentrifugen, notwendig für die Uranreicherung für Atomwaffen, durch Überlastung zerstört hat.
Angemessen der Größe seiner Aufgabe ist die finanzielle Ausstattung des amerikanischen Geheimdienstes: Das Budget nur allein der NSA betrug 2011 10,5 Mrd. US $, ziemlich genau ein Viertel des gesamten deutschen Verteidigungsbudgets.
Auch Wirtschafts-/Technologiespionage gehört zu mehr als Kollateralschäden der Massenausspähung von Freund und Feind, ist durchaus auch ein Mittel der Cyber-Kriegsführung. 2012 wurde EADS, der Mutterkonzern von Airbus, per eingeschleuster Software von in den USA stehenden Servern angegriffen und sensible Daten zur technischen Entwicklung gestohlen. Ein Schuft, der da an den amerikanischen Wettbewerber Boeing denkt. Medien berichteten, dass die NSA Ende der 90er Jahre das deutsche Windenergie Unternehmen Enercon mit Hilfe von Echelon abgehört und die so gewonnenen Daten dem amerikanischen Mitbewerber Kenetech übermittelt haben soll.
Habe ich alles überzeugend dargestellt? Vielleicht, aber was mich umtreibt ist der Gedanke: Der Whistleblower Snowdon hat uns vom Apfel der Erkenntnis essen lassen, und jetzt haben wir den (Obst-) Salat. Hätte sich für uns im Alltag irgendwas zum Schlechteren geändert, wenn wir es nicht erfahren hätten? Würden wir nicht glücklicher bleiben, wenn wir unsere Emails, Telefonate und online Bankgeschäfte immer noch für sicher halten würden, fragt sich Euer thofi?

GLOSSE

Irgendwie tief in ihrem Innersten glauben das doch auch Sie. Sie bauen darauf, wortwörtlich. Ihnen geht es besser als ihren Eltern, und Ihre Kinder werden Sie selbst im Lebensstandard übertrumpfen. Glauben Sie.
Immer besser, höher, weiter, vorwärts immer, ruckwärts nimmer. Das haben auch vor Ihnen schon viele gedacht, große Nationen, große Männer, große Unternehmen. Was ist mit denen? Bedeutungslos geworden, gescheitert, Pleite gegangen. Das große Reich der Antike, die Griechen, und heute? Naja, wissen Sie ja selber. Die Ägypter, die Perser, und heute? Naja. Die militärische Supermacht USA, und heute? Naja.
Der große Ackermann von der Deutschen Bank? Und jetzt? Naja.
AOL, Yahoo, Lycos, Sony, Nokia, Blackberry, StudiVZ und heute? Naja.
But, there is one more thing. Richtig. Sicher war er ein großer Mann, der Apple zweimal gerettet hat: Steven Jobs. Apple, cooles Design, teuer aber technologisch führend: MAC, iPod, iPhone, iPad. Er machte Apple zur wertvollsten Firma der Welt. Nach seinem Tod? Naja. Börsenkurs halbiert, iPhone bald nur noch unter “ferner liefen”. Neue coole Produkte? Fehlanzeige. Ich will Sie jetzt nicht mit Steven Jobs in einem Atemzug nennen, aber zu denken sollte ihnen das schon geben, dass es niemals immer nur nach oben geht.
Mit diesem depressiven Resume will ich Sie jetzt natürlich nicht verabschieden.
Glauben Sie einfach an den Kondratjew-Zyklus, der das Auf und Ab der Wirtschaftsentwicklung in 40-60 Jahre langen Zyklen beschreibt. Wir befinden uns gerade innerhalb des Zyklus der Informationstechnologie in dessen Abschwungphase. Achtung, jetzt kommt die positive Nachricht. Es war schon immer so: innerhalb des Abschwungs ist die neue Aufschwungtechnologie bereits im Entstehen. Jetzt brauchen Sie nur noch heraus zu finden, welches die neue Zukunftstechnologie sein wird, früh zu investieren, und bei Ihnen wird es materiell nur noch bergauf gehen. Bis ans Ende aller Tage.

Montag, 24. Juni 2013

Beepworld.de - NEWSLETTER #200 vom 25.06.2013

Von thofi, 13:35

VORWORT
Yes, we scan. Die USA hat sich als der größte Feind der Demokratie entlarvt. Mit totalitären Methoden zeichnen die USA und seine englischsprachigen Vasallen spätestens seit 9/11 flächendeckend sämtliche Kommunikationsdaten von Freund und Feind auf, teilweise direkt an der Quelle, also bei Google, Facebook, Microsoft & Co., aber auch durch Anzapfen des transatlantischen Glasfaserkabels, über den der Großteil unseres europäischen Datenverkehrs läuft.
Die pauschale Begründung: Verhinderung von terroristischen Anschlägen. Damit steht jeder Bürger unter Generalverdacht, ohne Ansehen der Person.

Wer digital kommuniziert ist verdächtig. Wer nicht, noch mehr. Aus der unfassbaren Summe der Daten läßt sich von jedem Einzelnen von uns ein exaktes zeitliches und örtliches Bewegungsprofil erstellen. Insgesamt 850.000 Mitarbeiter der amerikanischen nationalen Sicherheitsbehörde NSA haben Zugriff auf diese unsere Daten, so wie auch der junge NSA Mitarbeiter Edward Snowden, der trotz akuter Lebensgefahr die Welt davon in Kenntnis gesetzt hat.

Natürlich hat nicht jeder die Überwachung zu fürchten. Derjenige, der brav konsumiert, ißt, trinkt, ausscheidet, von 9-17.00 arbeitet, sich anschließend bei einem Bierchen entspannt, also einfach funktioniert, im Rahmen der ihm zugestandenen Normalität plus/minus minimaler Abweichung, dessen Leben ohnehin völlig berechenbar ist, braucht dieser größte anzunehmende Datenskandal nicht zu belasten.
Alle anderen schon. Auch unsere Wirtschaft. Welcher europäische Industriekonzern kommuniziert schon seine geheimen Entwicklungsprojekte, Patentideen oder Ausschreibungsangebote ausschließlich über dezentrale speziell gesicherte Leitungen und Datenkanäle? Der technologisch geführte Konkurrenzkampf zwischen dem europäischen Airbus- und dem amerikanischen Boeing-Konzern bekommt dadurch einen ganz eigenen Geschmack. Auch die geopolitische Landschaft ist nachhaltig gestört. Welcher westliche Staatenlenker kann jetzt noch unbedarft in China, Russland oder einem afrikanischen Schurkenstaat Menschenrechte einfordern, wenn das wichtigste Bürgerrecht des modernen Menschen, das seine Menschenwürde bestimmt, das Recht auf seine eigenen Daten und deren Vertraulichkeit, von der „größten Demokratie“ der Welt, den USA, ohne Skrupel völlig missachtet wird?

Für die Glaubwürdigkeit der USA, für den als Heilsbringer verklärten Barack Obama, ist das die größte anzunehmende Katastrophe. Was könnte den USA bei den widerspenstigen europäischen Verbündeten das Vertrauen in die Berechtigung der totalen Überwachung wieder zurück bringen? Ein großer erfolgreicher Anschlag im Westen mit vermutetem terroristischen Hintergrund. Aber so weit wird doch…, meint Euer thofi

GLOSSE

Sie wollen wissen, wie sich das auswirkt? Ganz einfach. Stellen Sie sich vor, Sie schauen TV, ja genau, dieses altmodische Medium, aber immer noch häufig genutzt. Draußen tropisch anmutender Wolkenbruch. Sie sind fest entschlossen, an diesem trägen Tag das Sofa nicht mehr zu verlassen. Popcorn, Schnittchen und ein leckerer Cosmopolitan Drink erleichtert Ihnen diesen Entschluß. Schluß!

Wie? Ja, genau, die sechste Wiederholung von Sex and the City wird immer langsamer, bis die Bilder fast gänzlich stehen bleiben und zu Bauklötzchen werden. Eigentlich nicht schlimm, Sie kennen die Folge ja, können die Dialoge fast auswendig mit sprechen, trotzdem, irgendwie störend. Rütteln an der Satellitenschüssel bringt auch keinen Erfolg. Dann eine Einblendung: “Sie haben ihre zulässige Anzahl an Stunden des öffentlich rechtlichen TVs für diesen Monat verbraucht. Wir haben ihre Bandbreite daher reduziert. Sie können jederzeit unser kostenpflichtiges Upgrade kaufen, um die Anzahl erlaubter Stunden zu erhöhen. Wir wünschen ihnen noch einen angenehmen weiteren Fernsehabend.” Völlig abstrus, dem Gehirn eines lebensfremden Buchhalters entsprungen? Nein, d.h. ja. Die Telekom plant genau dies. Eine Tempo-Drosselung beim Festnetz-Internet, wenn gewisse Datenvolumina im Monat überschritten wurden. Aber man kann natürlich jederzeit ein monatliches Upgrade kaufen, um das Freivolumen zu erhöhen.

Früher haben wir das “Preiserhöhung durch die Hintertür” genannt. Aber in diesem kompetitiven Umfeld sind Preiserhöhungen natürlich nicht durch zu setzen, ohne massiv Kunden zu verlieren. Der Kunde wird´s schon nicht merken.
Also gibt´s bald unbegrenztes Surfen bei der Telekom, bis zu einer gewissen Grenze natürlich. Aber was ist schon grenzenlos und damit unendlich, nicht einmal das Weltall. Obwohl, war das nicht Albert Einstein, kein Telekom-Manager, sondern ein Genie, der von Unendlichkeit redete, und der muss es wissen: Er sprach von der Unendlichkeit menschlicher Dummheit.

Mittwoch, 17. April 2013

Man ist was man isst. Vortrag von Dr. Thomas Finkenstädt im Industrieclub Düsseldorf 10.4.2013

Von thofi, 12:32

Vortrag von Dr. Thomas Finkenstädt bei Rotary im Industrieclub Düsseldorf 10.4.2013

Man ist was man isst.

 

 

 

Angehängte Dateien:
vortragrotarythomasfinkenstdt1042013.pdf vortragrotarythomasfinkenstdt1042013.pdf (189 kb)

Mittwoch, 27. Februar 2013

Beepworld.de - NEWSLETTER #199 vom 25.02.2013

Von thofi, 17:09
VORWORT
Reich werden im Internet? Wer von uns träumt nicht davon. Manche haben es geschafft. Und damit meine ich weniger Leute wie Facebook Gründer Zuckerberg oder Google Gründer Sergey Brin, sondern Kriminelle aus der Ukraine, China, USA, Deutschland oder von wo auch immer.
Opfer sind wir alle. Die einen, die auf plump gefälschte sog. Phishingseiten reinfallen und auf der vermeintlichen Homepage ihrer Hausbank ihre geheimsten Kontodaten eingeben, die anderen, die sich auf abenteuerliche Gewinnversprechen in holprig geschriebenen eMails einlassen und ihr Bankkonto unabsichtlich Geldwäschern z.V. stellen, und wieder andere, die sich über Pornoseiten besonders üble Trojaner einfangen, die Dateien auf dem PC verwalten, löschen oder auch neue hinzufügen.
So ist es den Verbrechern dahinter möglich, den Datenverkehr ihrer Opfer zu überwachen, sensible Daten wie Passwörter und Kontodaten auszuspionieren, zu verkaufen und so deren Konto zu plündern. Wer all dies bisher mit viel Glück oder Wachsamkeit vermieden hat, ist trotzdem nicht gefeit, denn die Cyberkriminellen haben technisch enorm aufgerüstet. So werden jetzt immer öfter auch soziale Netzwerke genutzt. Und über schadhafte Apps verbreiten sie sich zunehmend auch auf Mobilgeräten.

Die neueste Bedrohung für Computer, Drive-by-Downloads genannt, schleust Schadcodes über Programmlücken ein und fängt beispielsweise Zugangsdaten für Web-Dienste ab oder sammelt E-Mail-Adressen. Der Nutzer muss dazu gar keinen Anhang geöffnet haben und wird gar nicht gefragt, ob er die betreffende Datei downloaden will. Es genügt, eine entsprechend präparierte Website zu besuchen. Dabei nutzen die Angreifer Schwachstellen von Browsern oder Plugins wie Flash, Java oder Adobe.
Auch der Anfang Dezember entdeckte sog. Eurograbber Trojaner, der rund 30.000 Bankkunden in ganz Europa um 36 Millionen Euro erleichterte, gelangte so auf die Rechner.

Der neueste Schreck ist der sog. "GVU-Trojaner". Während man sich einen zwar urheberrechtlich geschützten, aber kostenlos angebotenen Film auf movie2k, kinox o.ä. Portalen ansieht ploppt plötzlich eine amtlich erscheinende Meldung hoch, dass man wegen Urheberrechtsverstoß innerhalb von 48 Stunden mittels PaysafeCard 100 Euro zu bezahlen hat. Erst dann würde der Computer wieder entsperrt.
Die Behörden raten, nicht zu zahlen, um die Kriminellen nicht noch zu belohnen, zumal der PC trotz Zahlung ohnehin nicht wieder entsperrt wird. Da hilft nur eine völlige Neuinstallation.

Wir wollen Sie natürlich nicht alleine lassen mit dem o.g. Horrorszenarium. Über die behördliche Seite botfrei.de können Sie prüfen, ob ihr Rechner sauber ist.
Aktuelle Virenscanner sind eine weitere Abwehrstrategie. Letztere ersetzen keine regelmäßige Überprüfung der ganzen Festplatte auf Malware. Das sollte man ab und an unbedingt tun, auch wenn das einige Stunden dauern kann. Sie werden überrascht sein, was sich da alles auf ihrer Festplatte eingenistet hat.
Und natürlich raten wir, was ohnehin keiner befolgt, die Passwörter regelmäßig zu wechseln und nur auf bekannten Seiten zu surfen, keine unbekannten Anhänge öffnen, keine kostenlosen Dienste aus dem Graubereich nutzen, denn kostenlos kann außerordentlich teuer werden, rät (vermutlich vergeblich) euer thofi

GLOSSE
Ich weiß, ich weiß, Sie gehören eher zu den zurückhaltenden Menschen. Jedes öffentliche Aufsehen ist ihnen zu wider. Solche Menschen wie der Gründer der Softwareschmiede SAP, Hasso Plattner, finden Sie nur peinlich.
Da spendet der im Rahmen seiner neuen Mitgliedschaft im gar nicht mal so elitären Club der Supperreichen „The Giving Pledge“ rund 3 Mrd. seines Vermögens und die Zeitungen sind voll davon.
Warren Buffett und Bill Gates, die Gründer des Vereins, der immerhin schon über 100 Mitglieder hat, - da ist ja Ihr Brieftaubenzüchterverein deutlich elitärer, weil kleiner -, haben da schon wesentlich mehr gespendet. Trotzdem möchten Sie dort gerne Mitglied werden und Sie fragen sich, wie Sie das anstellen können?
Lassen Sie mich mal rechnen. Die Google Aktie ging 2004 mit 100 USD an die Börse. Jetzt ist sie über 800 USD wert, sprich, verachtfacht in knapp 9 Jahren. Sie hätten 2004 also rund 125 Mio. USD bei ihrer Hausbank leihen müssen, um jetzt die erste Dollarmillarde zusammen zu haben.
Wie, ihre Hausbank macht das nicht ohne Sicherheiten? Haben Sie denn kein Häuschen, dass Sie ihr eigen nennen und das Sie beleihen konnten? In den USA war das bis 2008 durchaus üblich, die Immobilie deutlich höher zu beleihen als ihr Verkehrswert betrug. Künftige Steigerungen waren da schon eingepreist. Naja, leider kam dann die Subprime-Krise, völlig überraschend für die Experten, für die Laien weniger, aber ich schweife ab.

Auch die Apple Aktie hätte ihnen einen Startvorteil für ihre erste Milliarde verschafft. 1980 mit rund 10 USD gekauft, bekämen Sie jetzt über 450 USD dafür, das 45-fache. Das ware es gewesen, diese beiden Aktien, ihre Eintrittskarte für den Club, mit Bill, Warren und Hasso auf Du und Du.
Dann hätten vielleicht sogar Sie ihre vornehme Zurückhaltung aufgegeben und es wäre ihren Lippen beim Gruppenfoto mit all den Celebrities ein leichtes “Oh” entwichen.

Sonntag, 30. Dezember 2012

Beepworld.de - NEWSLETTER #198 vom 24.12.2012

Von thofi, 20:27
VORWORT
Schon wieder naht Weihnachten! Besinnliche Feiertage? Da läuft die Kreditkarte heiß, der Bankomat glüht, die Kundekarte schmort, die Last Minute Reiseportale melden Ausverkauf, Amazon oder eBay gehen unter dem Ansturm fast in die Knie, und auf Facebook flitzen täglich Millionen Weihnachtsgrüße zwischen den vielen ziemlich besten Freunde hin und her, die man dort so leicht aufgesammelt hat.

Friedliche Feiertage? Es herrscht Krieg. Krieg um Ihre persönlichen Daten, die Sie bei jedem dieser Kaufvorgänge bewusst oder unbewusst offenlegen. Ihre Daten sind die Währung der Digitalökonomie, ein unsicheres, heiß umkämpftes obskures Objekt der Begierde, vor allem für die Werbeindustrie. Und darum herrscht Krieg zwischen USA und Europa. Während die USA, dem Mutterland der meisten großen IT-Unternehmen, mit einer Heerschar von Lobbyisten mit Hochdruck und unbegrenzten Mitteln daran arbeitet, die geplanten scharfen europäischen und nationalen Datenschutzverordnungen zu torpedieren, versuchen die EU Abgeordneten verzweifelt, uns europäischen Verbrauchern die Selbstbestimmung über unsere persönlichen Daten durch europäisch einheitlich hohe Sicherheitsmaßstäbe zurück zu geben. Wer in Europa Geschäfte machen will, müsste diese Bestimmungen dann einhalten, was Facebook, Google, Amazon, Microsoft, Apple und Co. aus den USA sehr teuer zu stehen käme: ein deutlicher Nachteil gegenüber Europäischen Konkurrenten wie die Telekom mit ihrem Cloud Computing oder SAP, die plötzlich einen Kosten- und Datensicherheitsvorteil gegenüber nicht-europäischen Anbietern für ihre Produkte hätten.

Es geht also nur vordergründig um ein trocken klingendes Datenschutz-Gesetz. Dahinter steht der Kampf um die Vorherrschaft in der -zig Milliardenschweren IT-Branche weltweit. Eins ist aber auch klar: Wenn wir eines Tages nicht mehr mit unseren persönlichen Daten im Internet zahlen können sollten, ist es vorbei mit den vielen „kostenlos“ Angeboten im Netz oder auf dem Smartphone. Dann müssen wir wieder zum Euro, Dollar oder Renminbi greifen.

Sie können ja schon mal üben, jetzt bei den Weihnachtseinkäufen. Greifen Sie statt zum Plastik oder zur Maus doch mal zum Baren, denn Bares hinterläßt keine Spuren, empfiehlt euer thofi

GLOSSE
War das nicht mal wieder ein geselliger Samstagabend bei Ihnen? Die ganze große Familie mit vielen Freunden versammelt vor dem digitalen Lagerfeuer und beim Song-Contest die Daumen gedrückt? “Ihre Familie ist aber auf dem ganzen Globus verstreut und ihre Freunde bleiben bei jedem Ortwechsel zurück”, wagen Sie zu bedenken?

Papperlapapp. Das ist doch kein Hindernis, trotzdem einen gemeinsamen gemütlichen Abend vor dem Monitor zu verbringen. iTV, das kommende Apple TV machts möglich. Da wird das soziale Netz integriert in die TV Übertragung, und mit eingebauter Kamera und Facetime ist ihre ganze global verstreute Gruppe sichtbar verbunden beim Glotzen. Und mit “Daumen runter” werfen Sie jetzt blitzschnell den schrägen Vogel mit der abtörnenden Stimme raus aus dem Wettbewerb, per Rückkanal zum Sender kein Problem.

“Unterschiedliche Zeitzonen”, werfen Sie ermattet ein? Ich bitte Sie, dann schauen Sie sich den Contest doch dann an, wenn Ihre Freunde aus Asien, Amerika und Europa ein gemeinsames Zeitfenster haben. Google TV plant ein riesiges Smartphone, natürlich mit Netzanschluss, für die Wand. Was immer Sie wollen, wann immer Sie wollen, wo immer Sie wollen, tausende von Sendungen, Google TV liefert es, und noch viel mehr. Ihr intelligentes TV erfühlt per App ihre Stimmung und spielt entsprechende Musik ab oder misst ihren Blutdruck und teilt dem Arzt mit, Sie doch mal anzurufen. Es plant ihre Reisen auf Zuruf und organisiert Videokonferenzen mit ihren Freunden oder Freundinnen zum Plausch.

Wenn Sie jetzt mal wieder ihren alten Fernseher anschalten, dann werden Sie merken, der ist so, so nuller Jahre mäßig, so völlig unkommunikativ. Wie haben wir das nur so lange ausgehalten. “Wieder so viel Neues”, werden sie stöhnen, “wer kann denn da noch den Überblick behalten?”

Aber ich bitte Sie, der Gesetzgeber hat die Chancen, mehr noch die Gefahren dieser neuen Entwicklung rechtzeitig erkannt. Bevor die Sendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens im statistischen Rauschen der globalen Sendungsvielfalt auf Internet-fähigen Google- oder Apple TVs ganz untergehen, in der totalen Bedeutungslosigkeit versinken und eine dafür bisher übliche GEZ Gerätegebühr als völlig abstrus erscheint, wird ab 1. Jan 2013 dank des neuen Rundfunkbeitragsstaatsvertrag eine GEZ Haushaltsabgabe zwangseingezogen. Sie existieren doch(und sind irgendwo wohnhaft gemeldet), also müssen Sie auch zahlen, ob Sie sehen oder hören oder nicht. Ja selbst dann, wenn Sie gar keine entsprechende Geräte im Haushalt haben.

Sehen Sie, so sorgt auch der Gesetzgeber für ein geselliges Zusammengehörigkeitsgefühl bei uns. Die rund 83 Mio. Menschen in diesem Lande sind durch das Gleiche verbunden – durch die Zwangsbeglückung mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Rundfunk.

Montag, 08. Oktober 2012

Beepworld.de - NEWSLETTER #197 vom 02.10.2012

Von thofi, 11:06
VORWORT
“Wenn das Gehirn nichts zu tun hat, verkümmert es.” So begründet der Ulmer Hirnforscher und Vielschreiber Manfred Spitzer in seinem neuesten Buch die “Digitale Demenz“, die uns durch exzessive Nutzung digitaler Medien droht. Digitale Medien machen süchtig. Sie schaden langfristig dem Körper und Geist. Wenn wir unsere Denkarbeit auslagern, schwächelt das Gedächtnis, so Spitzer.

Er plädiert vor allem bei Kindern für Einschränkung der Nutzung. Klingt erst mal einleuchtend. Auf dem zweiten Blick nicht mehr ganz so.
Der Tag lässt sich nicht beliebig dehnen, also geht die digitale Mediennutzung zu Lasten des TV Konsums. Und schwachsinnige, verblödende Sendungen gibt es bereits seit der Einführung des privaten TVs am 1. Jan 1984. Ob „Bauer sucht Frau“ das Gehirn mehr aktiviert als Facebook, YouTube Videos und Flickr Fotoshows zu erstellen, skypen oder komplexe Computerspiele zu bedienen wage ich sehr zu bezweifeln.
Und ob Fakten aus Wikipedia heraus zu suchen und sie im gewünschten Kontext korrekt zu verwenden dümmer macht, als das Gleiche im dickleibigen Brockhaus aufzuschlagen, wage ich gar nicht mehr zu bezweifeln. Es ist nicht so. Wenn vom Schulstoff ca. 20% hängen bleibt, wie gesagt wird, dann führt die unvergleichlich häufigere Nutzung von Wikipedia, einfach weil der Zugang so bequem ist, irgendwann zu deutlich mehr Wissen, das unvermeidlich in den Hirnen hängen bleibt.
In der Jugend soll man das lernen, was man zum Leben als Erwachsener benötigt. Wie aber wird die Berufs- und Erwachsenenwelt für die jetzige Kindergeneration aussehen? Die allermeisten Jobs werden direkt oder indirekt mit dem Internet und PC zusammenhängen, also multimedial sein. Und genau diese Beschäftigung der Jugendlichen wird von Spitzer kritisiert.

Wir haben zwar verlernt zu Reiten, weil das Auto erfunden wurde, aber wie viele Jobs heutzutage benötigen diese Fähigkeit noch, wie viele dagegen den Führerschein? Will sagen, die Nutzung der digitalen Medien ist eine notwendige Voraussetzung für unsere Kinder zur Vorbereitung auf das Erwachsenenleben.
Die Frage stellt sich aber zu recht: Ist es auch hinreichend?
Überlassen wir damit dem Computer das Denken? Ganz sicher nicht, sondern nur die Wissensbeschaffung und Vermittlung. Zum Denken gehört sicher mehr, so die Verarbeitung des Wissens, die Vernetzung, die Einordnung in ein Weltbild. Und hier kommt tatsächlich etwas deutlich zu kurz, wenn man nur nach schnellen Informationen im Netz sucht: der klassische Leitartikel, der Übersichtsartikel, der Vortrag, der zwar das Wissen voraussetzt, dieses aber in ein Erklärungsmodell einzuordnen weiß, es in Perspektive zu setzen vermag, damit es im Gehirn des Lesers oder Zuhörers im Idealfall „Klick“ macht, und aus eins plus eins drei entsteht.
Und hier kommt die unverzichtbare, wenn auch veränderte Rolle der Eltern, Lehrer, Politiker und Journalisten ins Spiel. Wir sind nicht mehr die Quelle des Wissens für die heranwachsende Generation, sondern die die ihnen helfen, aus den vielen im Kopf vorhandenen isolierten Informationsbruchstücken und -Fäden eine funktionierende Sicht auf die Welt entstehen zu lassen, meint euer thofi

GLOSSE

Sie dürfen natürlich, naja, irgendwann, wenn Sie Glück haben, in ein paar Wochen, dann aber höchstens zweimal. Dafür kriegen Sie auch was Solides, Glänzendes, wenn auch nicht übermäßig innovatives. Eins aber dürfen Sie sicher: deutlich mehr bezahlen, als bei der Konkurrenz. Kurz und gut: Es ist einfach sexy das Teil.
Auch Sie wollen, dass es Ihnen gehört, damit Sie dazu gehören, zur technischen Avantgarde. Rund 250 Mio. Menschen gehören bereits zu diesem exklusiven Zirkel, die sich übrigens sofort unter einander erkennen, ein leichtes anerkennendes Nicken, wenn sie es herausziehen und lässig auf den Tisch vor sich legen. Sie aber wollen mehr, kein Nicken, sondern in Panik geweitete Augen, Schweißperlen auf der Stirn und verschämtes Wegstecken des 4GS ihres Gegenübers. Trumpfen wollen Sie mit dem neuen Apple iPhone 5, gerade erst vorgestellt, und mit viel Glück in einigen Wochen lieferbar, maximal 2 pro Bestellung erlaubt, das heizt an.
Technisch nichts aufregend Neues, teurer als jemals zuvor, aber die Panik in den Augen des verschämten 4 GS Besitzers, des aktuellen Vorgängermodells, das ist ihnen das alles wert.

Samstag, 26. Mai 2012

Beepworld.de - NEWSLETTER #196 vom 24.05.2012

Von thofi, 21:02
VORWORT

2.188.697.339 mal wurde „I like it“ gesagt. So viele Aktien sind von Facebook im Umlauf. Rund eine halbe Mrd. davon wurden beim Börsengang diese Woche zu 38 USD das Stück gekauft. Mit einer Gesamtbewertung von 104 Mrd. USD ist Facebook damit der teuerste Börsenneuling der Welt, fast so viel Wert wie Deutsche Bank, Henkel und Bayer aktuell zusammen. Beim Gewinn vor Steuern haben letztere zusammen allerdings mit mehr als dem 12-fachen gegenüber Facebook die Nase deutlich vorn. Ist der Hype um Facebook also nur eine Blase, von denen in der Vergangenheit genügend geplatzt sind, so u.a. Brokat, em.tv, Intershop, Webvan oder eToys.com?
Wer jetzt zu schnell zustimmt, übersieht z.B. die Erfolgsgeschichte von Google. Bei seinem Börsengang 2004 kam Google auf eine Gesamtbewertung von 24 Milliarden Dollar. Heute sind es rund 155 Mrd. USD. Wer damals gekauft hat kann sich jetzt über eine nahezu Versiebenfachung seines Einsatzes freuen.

Wer von den verehrten Lesern jetzt Dollarzeichen in den tränenden Augen hat, der mag erinnert sein, dass der gerade 28 Jahre jung gewordene Gründer von Facebook, Marc Elliot Zuckerberg, 8 Jahre und 3 Monate nach Gründung Facebooks für seine Arbeit mit weit über 20 Mrd. USD entlohnt wurde, d.h. für jeden Herzschlag von der Wiege bis zur Bahre gibt´s einen 500 Euroschein. So viel ist sein Anteil im Moment wert, was sich aber im Verlauf der nächsten Börsentage sicher noch ändern wird, nach oben oder, wahrscheinlicher, nach unten. Auch wenn wir uns in der Regel nicht für Kleinigkeiten interessieren, sei hier der Vollständigkeit halber erwähnt, dass auch sein damaliger Zimmergenosse, der eine oder andere schnell wieder ausgestiegene Mitgründer, frühe private Geldgeber, Investoren und damalige Geschäftsführer jeweils Milliarden beim Börsengang kassiert haben,
weiß euer thofi nicht wirklich zu trösten.


GLOSSE
Achtung, wenn Sie diese Glosse zu Ende gelesen haben, wird ihnen ein Licht aufgegangen sein. Vielleicht wird ihnen aber auch schwarz vor Augen. Möglicherweise habe Sie aber auch eine Erleuchtung. Wir hoffen natürlich nicht, dass ihnen jemand das Licht ausknipst. Obwohl, möglich ist das schon. Dazu muss derjenige nicht einmal sein Arbeitszimmer verlassen. WLAN reicht und er (vielleicht aber auch sie. Ist da nicht immer diese Frau in ihrem Fitnessstudie, die sie immer so seltsam anschaut?) knipst ihnen ihr Licht aus, was sage ich das Licht, viele Lichter, es können auch alle im Haus sein. Kein Problem, es gibt ja Kerzen, werden Sie jetzt sagen. Schon wahr, aber genauso kann er (oder sie, denken Sie an das Fitnessstudio) ihren Kühlschrank ausschalten, und das wäre wirklich nicht nett. So viele Tücher haben Sie gar nicht im Haus, um der Überflutung Herr zu werden. Heizung ausschalten würden Sie auch überleben, selbst mitten im Winter, nehmen Sie halt Decken.
Richtig übel nehmen würden Sie demjenigen (oder derjenigen, denken Sie an, ach so, sagte ich bereits) wenn mitten im Krimi „Tatort“ der Fernseher erlischt. Kann Ihnen nicht passieren? Sie lassen keinen ins Haus, neueste Diebstahlanlage? Nutzt alles nichts, wenn sich das Produkt des amerikanischen Halbleiterherstellers NXP durchsetzt, das er kürzlich in Las Vegas vorgestellt hat: Das „Internet der Dinge“. Künftig könnte jede Glühlampe eine eigene IPv6-Adresse erhalten und per WLAN steuerbar sein. Kühlschrank, Fernseher, Heizung, alles, was Elektronik besitzt wäre mit eigener IP Adresse versehen von außen steuerbar.
Spamwellen, Trojaner? Wie altmodisch. Der moderne Hacker (oder die Hackerin, da gibt es doch in ihrem Fitnessclub, jaja , schon gut. Ich sag ja nix mehr. Obwohl die Sie immer so seltsam anstarrt) bemächtigt sich künftig ihrer Haushaltsgeräte und knipst Ihnen das Licht aus.

Montag, 02. April 2012

Beepworld.de - NEWSLETTER #195 vom 03.04.2012

Von thofi, 12:59
VORWORT
Kostenlos? Gibt´s nicht. Erklären Sie einem Jugendlichen mal, dass die Geschenke, die er erhält, mehr als ein „Danke“ kosten. Irgendeiner bezahlt dafür, und derjenige verspricht sich davon etwas, im besten Fall Dankbarkeit, meist aber eine Gegenleistung, sei es Wohlverhalten, sei es ein Gegengeschenk.
Warum verdrängen dieses einfache Prinzip viele Menschen, wenn Sie kostenlose Dienste von Google, Facebook und Co in Anspruch nehmen? Gratis Apps aufs Smartphone? Die sammeln nicht nur Daten sondern belasten auch massiv den Akku durch ständiges Rückmelden beim App-Anbieter.
Aber auch, wenn Sie nur sehr spärlich ihre privaten Daten herausgeben, hier ein Account bei Google Mail, bei Youtube sind Sie auch angemeldet, dort nutzen Sie Picasa und Google Docs, und der Chrome Browser kostet ja auch nichts.
Suchanfragen über Google stellen Sie ohnehin täglich und Google Maps ist auch ihr ständiger Begleiter. Ihr Smartphone läuft überdies mit dem Google Betriebssystem Android und ihre sozialen Kontakte verwalten Sie über Google+. Gegen weltweite heftige Proteste auch von Regierungen sind die neuen Datenschutzrichtlinien von Google kürzlich in Kraft getreten. Dadurch können die Nutzerdaten aller 60 Google Dienste miteinander verknüpft werden. Das Profil, das dadurch Google von jedem Nutzer in die Hände fällt, ist so umfangreich wie bisher nichts. Die Werbung leckt sich danach alle Finger – und zahlt.
An Google prallen Vorwürfe mit lapidaren Hinweisen ab: Der Nutzer müsse ja der neuen Datenschutzrichtlinie nicht zustimmen, dann allerdings dürfe er Google Dienste nicht mehr in Anspruch nehmen. Allerdings bietet Google unter google.com/dashboard und google.com/takeout eine Möglichkeit, alle über sich gespeicherten Daten und Dokumente anzuschauen und ggf. zu löschen. Außerdem sollten Sie regelmäßig alle Cookies auf dem PC löschen. Tun Sie das nicht, speichert Google darin 2 Jahre lang alle relevanten Daten, bevor sie automatisch gelöscht werden müssen. Starten Sie erneut einen Google Dienst, sammelt das Cookie weiter.
Aber auch Facebook ist dabei, seine Nutzungsbedingungen zu ändern. So behält sich Facebook vor, weitere Änderungen an den Nutzungsbestimmungen vorzunehmen, ohne vom Nutzer eine Zustimmung einzuholen. Ein Realist, wer Schlechtes dabei denkt.
Alle diese kostenlose Dienste wollen nur unser Bestes, unsere Daten, die neue Währung im Internet.
Mir werden die kostenlose Dienste langsam zu teuer,
meint euer thofi.

GLOSSE
Es ist vollbracht. Und Sie sind einer der ersten Zeitzeugen, der diesem historischen Ereignis beiwohnen darf. Ich bin Keiner, der vorschnell mit dem Wort „historisch“ um sich wirft, aber diesmal, bei diesem heißen Ereignis, ist es angebracht. Die erste wirkliche Verschmelzung zwischen virtueller Internetwelt und der realen Welt ist gelungen. Und Sie sind dabei, weil Sie sich als einer der ersten das neue iPad 3 gekauft haben. Ja, ich habe Sie doch in der langen Schlange warten gesehen.
Wo war ich? Ach so, historisches Ereignis. Genau. Sie rufen eine App auf ihrem neuen Statussymbol auf, Sie wissen ja, es gibt eine App für alles, egal ob Sie eine Anleitung für Dummies zum Krawattenbinden oder zum Spiegelei braten suchen.
Aber jetzt kommt´s. Ich weiß, Sie sind schon ganz heiß auf die Geschichte und ich soll nicht so lange um den heißen Brei herum reden. Ich will Sie ja nur noch etwas schmoren lassen.
Schließlich werde ich für die Glosse nach Zeilen bezahlt.
Jetzt kommt´s wirklich. Sie lesen also diese Anleitung zum Spiegeleier braten, drehen dann das neue iPad um und lassen das Ei auf der glatten Rückseite zerplatzen. Ein paar Minuten später, das Ei ist fertig gebraten, schön sunny side up, wie Sie es lieben.
Glauben Sie nicht? Das amerikanische Testmagazin „Consumer reports“ hat nach Dauerbetrieb des iPad3 mit Netzanschluß eine Erwärmung auf 46,7 Grad Celsius gemessen. Das reicht.

Freitag, 24. Februar 2012

Beepworld.de NEWSLETTER #194 vom 19.02.2012

Von thofi, 11:22

 VORWORT

Es gibt Dinge im Leben, die gehen einfach nicht. Und wer es trotzdem versucht, landet erfahrungsgemäß auf der Nase, eine sehr unbequeme Körperstellung.
Dazu gehören zum einen (1) größere Änderungen durchsetzen zu wollen, ohne die Betroffenen dazu anzuhören oder gar zu beteiligen. Unter Stichwort Stuttgart21 kann jeder die Ursachen und Folgen nachlesen. Zum anderen (2) sollte man tunlichst nicht gegen die eigenen Kunden kämpfen.
Kapieren muss so mancher Anbieter auch erst mühsam, dass im Internet auch Nichtzahler Kunden sind, weil die schiere Anzahl der Nutzer eine Macht an sich darstellen, siehe Facebook.
Kommen (1) und (2) zusammen, kann die erzwungene neue Körperhaltung sehr sehr schmerzhaft werden.
Spät, wenn auch noch nicht zu spät hat das die Bundesregierung erkannt, zusammen mit manchen anderen Regierungen, und haben die Unterschrift unter das zum Abnicken vorliegende ACTA Gesetzeswerk der EU vorerst verweigert. Protestierer in großer Zahl, die weltweit gegen ACTA auf die Straße gegangen sind, haben bei diesem Erkenntnisprozess sicher geholfen.
Das zwischenstaatliche internationale Gesetzesvorhaben ACTA soll die Produktpiraterie weltweit eindämmen und ist von den großen Rechteinhabern mithilfe der amerikanischen Regierung neben Japan und Entwicklungsländern auch der EU zur Unterschrift angedient worden. Dort wird der Vertrag seit 2008 verhandelt ohne die Öffentlichkeit einzubeziehen. Erst durch einen Beschluss des EU-Parlaments wurde der Wortlaut des Vertrags öffentlich. Sonst wäre er wohl von den jeweiligen nationalen Regierungen ohne störendes Aufsehen durchgewinkt worden.
Wird ACTA ratifiziert, müssen Provider künftig gesetzlich verpflichtend ein System etablieren um Inhalte und Userverhalten zu verfolgen und ggf. Methoden wie Netzsperrung o.ä. anzuwenden, um entsprechende Nutzer an ihrem Treiben zu hindern. Nicht nur der Aufwand ist gewaltig, den die Provider unentgeldlich leisten müssen. Die Erfahrung lehrt: Ist ein solches System der völligen Kontrollmöglichkeit von Usern bei den Providern erst mal etabliert, also die technischen Voraussetzungen geschaffen, wird es auch fernab von der Bekämpfung von Produktpiraterie eingesetzt werden.
Wer würde sich dem auch z.B. nach einem größeren Terroranschlag im eigenen Lande verweigern wollen. Ab dann ist es nicht mehr eine Frage des „ob“ sondern des „wie oft und wofür“ die totale Kontrollmöglichkeit des Netzes genutzt wird.
Womit soll diese massive Einschränkung der Netzfreiheit aufgewogen werden? Im Wesentlichen um den Rechteinhabern ihre längst überfälligen mühsamen Hausaufgaben zu ersparen, einen Vorschlag zur Anpassung des alten Urheberrechts und Patentrechts an das digitale Zeitalter auszuarbeiten, damit es die Rechte der Urheber zwar schützt aber das freie Internet nicht knebelt.
Manchmal hilft ein Blick zurück in die digitale Vergangenheit um die Zukunft klarer zu sehen. Die schnelle Durchsetzung eines Industriestandards vieler Microsoftprodukte ist fast ausschließlich den millionenfachen Raubkopien zu verdanken. Software, die anfangs mehr als 1000 DM kostete, wie einzelne MS Office-Programme in den Anfangsjahren, sind einfach nicht massentauglich und wären ohne Raubkopien Nischenprodukte geblieben. Es ist nicht so, das Microsoft durch die Raubkopien Pleite gegangen wäre. Der riesige Erfolg von Apples iTunes, ob für kostenpflichtige Musikdownloads oder Apps, liegt vor allem auch an der transparenten und überzeugenden Preisgestaltung. Jeder Song unter 1 Euro, die App in der Regel 0,79 Euro.
Die Rechteinhaber sollten für und nicht gegen ihre Kunden kämpfen. Für heißt, die Mechanismen des freien Internet für sich zu nutzen und eine kompromissfähige Preisgestaltung vor zu nehmen. Es gibt immer eine Preisschwelle und Einfachheit des Handlings, ab der sich der Kauf für den Nutzer mehr lohnt als die Anstrengungen des Raubkopierens oder der illegalen Nutzung. Ohne Vertriebskosten und automatisches Inkasso lohnen sich kleine Beträge, Millionen mal einkassiert mehr als hohe Beträge wenige Male zu berechnen.
Was auf keinen Fall geht, die kostbare Freiheit des Internet, die ursächlich für eine grenzenlose Effizienzsteigerung in der alten Wirtschaft war, und ganz neue Wirtschaftszweige geschaffen hat, auch in manchen Revolutionen jüngeren Datums unverzichtbar war, als Kollateralschaden zu gefährden für einen obskuren Versuch mit äußerst zweifelhaften Erfolgsaussichten, die Produktpiraterie zu bekämpfen. Auch hier wäre der Preis in jedem Fall zu hoch für eine offene, moderne Gesellschaft. Und letztere sollten wir angesichts massiver unübersehbarer Tendenzen zu antiaufklärerischen, tendenziell sogar fundamentalistischen Bewegungen weltweit als hochgradig gefährdetes Gut bedingungslos schützen,
meint euer thofi.

 GLOSSE

Warum haben Sie damals nur darauf bestanden, Lohn oder Gehalt zu bekommen. Hätten Sie für lau gearbeitet, ja dann, dann wären Sie bald reich, aber so richtig, stinkreich. Nehmen wir nur mal an, Sie hätten damals, 2004, bei der Gründung von Facebook bei diesem Milchbubi Mark Zuckerberg angeheuert.
Hahaha, lustige Sachen haben die damals programmiert: Wer isst gerne Eiscreme mit Waldmeistergeschmack und lebt im Valley. Alle die passen doch schon mal zusammen. Jeder Mitarbeiter der ersten Stunde bekam ein beschämend niedriges Gehalt und hahaha, so einen Wisch wo was von Firmenanteilen drauf stand. Hätten Sie 3 Jahre kalifornische Lockerheit durchgehalten, hätten Sie zusammen mit Mark und einigen Mitarbeitern 2007 das dreißigmillionste Mitglied feiern können und eine Firmenbewertung von 10 Mrd. USD. Absoluter Wahnsinn. Hätten Sie bis heute durchgehalten, wären es 850 Mio. Mitglieder und knapp 100 Mrd. USD.
Die Mitarbeiter der ersten Stunde werden beim jetzt anstehenden Börsengang alle Multimillionär mit ihren winzigen Firmenanteilen. Ja, warum haben Sie vor 8 Jahren Mark Zuckerberg nicht angeboten, ganz umsonst zu arbeiten, nur gegen Firmenanteile? Genommen wurde damals fast jeder, der programmieren konnte und sich auf so was Riskantes einlassen wollte. Selbst ein zehntausendstel Anteil an Facebook wäre heute rund 10 Mio. USD wert.
Merken Sie was? Ihnen fehlt es einfach an Mut, auch mal riskante Dinge zu tun. Lieber 8 Jahre im Sturm stehen als ein Leben lang im Windschatten.

Dienstag, 24. Januar 2012

Beepworld.de - NEWSLETTER #193 vom 22.01.2012

Von thofi, 11:14

 VORWORT

Was kommt raus, wenn man die Wikipedia Philosophie des WIR statt ICH mit dem Anspruch an totale Mobilität mixt? Ein neuer hipper Megatrend: Teilen, leihen, tauschen, nutzen statt besitzen.
Statussymbol Auto? Bei der Jugend längst vorbei. Wer nur mal einen Tag raus aus der Stadt muss, leiht sich ein Auto völlig unkompliziert von Privatpersonen auf www.tamyca.de. Wer ein fremdes Land kennen lernen will als Nichttourist, mitten im Kiez statt im sterilen Hotel wohnen will, bucht sich private Unterkünfte für wenige Euros oder Dollars weltweit auf www.9flats.com oder www.airbnb.com. Wer eine Unterwasserkamera für einen Urlaub braucht, auf seine Bohrmaschine aber gut verzichten kann, der tauscht auf www.netcycler.de
Die Deutschen horten ungenutzte Gegenstände im Wert von 35 Mrd. einer kürzlichen eBay-Studie zufolge. Mit niedrigen Zinsen und geborgtem Geld wird dafür gesorgt, dass dieser Konsumrausch niemals aufhört. Wirtschaft, Finanzwirtschaft und Politik in einem faustischen Pakt fürchten kaum etwas mehr als dass keiner mehr was Neues braucht, nur noch das Wenige produziert werden müsste, was wirklich benötigt wird. Denn ohne ständige Steigerung des Bruttosozialprodukts könnte der Staat seine Kredite nicht mehr tilgen.
Es könnte sein, dass der neue Trend „Tauschen statt Kaufen“ einen Ideologiewechsel einläutet.
Statt der Steigerung des Bruttosozialproduktes hinterher zu hecheln, könnte den Menschen die Steigerung des persönlichen Lebensglücks immer wichtiger werden. Da fragt sich der rational begabte Mensch natürlich, warum erst jetzt, nicht schon früher?
Erst jetzt, mit einer flächendeckenden Anbindung ans Internet selbst von unterwegs mit dem Smartphone, haben wir das notwendige Werkzeug dazu, und die Sinnkrise durch die permanente Finanz-und Wirtschaftskrise lässt die Zeit einfach reif dafür erscheinen,
meint Euer thofi

 GLOSSE

Entsinnen Sie sich an Ihr erstes Mal? Sicher schon lange her. Und danach, jemals wieder erneut probiert? Bitte ehrlich sein, was sollen Ihre Kinder von Ihnen denken, wenn Sie jetzt „Nein“ sagen? „Nein“ ist bekanntlich das schwierigste Wort der Welt: „Nein“, ich will auf die Richtige/den Richtigen warten, „Nein“, das ist mir zu teuer, oder „Nein“, das ist mir zu wenig. Manchmal kann das Wort „Nein“ aber auch sehr viel teurer werden, als nur eine möglicherweise romantische Erinnerung zu verhindern.
Greifen wir mal ein willkürliches Beispiel heraus: Microsoft umwarb den Yahoo-Gründer Jerry Yang 2008 mit schmeichelnden Worten und einem Brautgeschenk von 45 Mrd. US Dollar. Doch Yang sagte „Nein, der Bräutigam ist mir zu hässlich.“ Vor Kurzem aber sagte Jerry endlich „Ja, ich gehe“, und verließ das Unternehmen.
Leider ist die Braut jetzt nicht mehr ganz so attraktiv, keiner will sie mehr ehelichen. Sie ist aktuell nur noch weniger als 20 Mrd. USD wert. In 3-4 Jahren hat Jerry die Braut Yahoo um rund 25 Mrd. USD abgehübscht, eine rekordverdächtige Leistung. Und was hat Sie Ihr erstes „Nein“ gekostet?

Dienstag, 13. Dezember 2011

Beepworld.de - NEWSLETTER #192 vom 13.12.2011

Von thofi, 10:25

VORWORT

Die Geschichte lehrt, was machbar ist, wird gemacht, was technisch möglich ist, wird irgendwann auch eingesetzt. Daher der vehemente Protest gegen das geplante Internet-Zugangserschwerungsgesetz in Deutschland. Die Online-Petition dagegen hatten 134.000 Menschen unterschrieben. Die nötige Infrastruktur, um missliebige Seiten wie Porno-Webseiten oder Tauschbörsen beim Aufrufen mit einem Stoppschild zu versehen, hätte den Einstieg in die Kontrolle über das Internet bedeutet. Wie diese Zensur-Technologie im Extremfall gegen die eigenen Bürger eingesetzt werden könnte, sieht man im repressiven Iran. Der Protest hatte Erfolg. Der Deutsche Bundestag hat am 1. Dezember 2011 mit den Stimmen aller Fraktionen dieses Gesetz vorzeitig aufgehoben.

Jetzt droht ein viel schärferes Gesetz den Kongress in den USA zu passieren, das das freie Internet existenziell bedroht, und jeder weiß, dass die USA mit seiner zentralen Funktion beim Betrieb der globalen Internet-Infrastruktur nicht an den eigenen Staatsgrenzen Halt macht. Mit Domainsperren, Zahlungsstopp, und Werbeblockaden sollen Urheberrechtsverletzungen und Pornografie im Netz verhindert werden. Doch im Netz formiert sich der Widerstand – auch von Netzkonzernen wie Google, Facebook, Ebay, Yahoo, Wikimedia und Mozilla Foundation.

Hunderte Domainnamen, die sie als Brutstätten der Urheberrechtsverletzungen ansahen, haben US Behörden kürzlich kurzerhand beschlagnahmt und mit einem martialischen Warnhinweis versehen. Nicht nur Domainregistrare auch andere Firmen wie Zahlungsdienstleister und Werbenetzwerke sollen die Blockaden durchsetzen. Mehr noch: US-Provider sollen ihren Kunden den Zugriff auf solche Seiten verwehren.

Wer denkt, dass uns Verhinderung von Pornoseiten und Urheberrechts-verletzungen diesen Eingriff in das freie Netz wert sein müsste, der sollte sich fragen: wie groß ist der Aufwand für die Regierung, wenn diese Infrastruktur zur Netzsperre erst mal eingerichtet ist, statt pornografischer Seiten oder Tauschbörsen auch z.B. regierungskritische Seiten zu sperren?

Beepworld erhält jetzt bereits fast täglich Sperrungsaufforderungen von Google mit unmissverständlich drohendem Tonfall, dass unser Beepworld Adwords Account noch aktiv bleibt, sofern wir die genannten Seiten umgehend sperren. Häufig handelt es sich dabei um völlig harmlose Seiten, in denen z.B. im Text das Wort „Escortservice" auftaucht, oder ein Berufsfotograf oder Künstler einen Rückenakt ausstellt. Mit Google diskutieren? Ausgeschlossen.

1 Mio. Unterstützer hat die Online-Petition gegen den US Gesetzesentwurf bereits gefunden. Man kann sich dem Protest mit diesem Link anschließen:

http://www.avaaz.org/de/save_the_internet/?cl=1420853128&v=11318

informiert euch Euer thofi

 GLOSSE

Es gibt solche und solche, bei Ihnen doch auch, stimmt´s? Solche Bilder, die Sie in der Öffentlichkeit zeigen können, naja, und dann haben Sie sicher solche, die Sie nur einem kleinen, sehr kleinen, ggf. sehr sehr kleinen Kreis zugänglich machen wollen, vielleicht nur der eigenen Ehefrau oder Freundin, z.B. die Bilder von gestern Abend, als Sie Beide voll des süßen Weihnachtspunsches zur Kamera griffen. So betrunken waren Sie natürlich auch nicht, dass Sie nicht darauf geachtet hätten, diese sehr speziellen Fotos nur in Ihrem geschützten privaten Fotoalbum auf Facebook zu platzieren. Ja, und heute Morgen haben Sie sich sicher gefragt, warum Ihre Arbeitskollegen Sie so fröhlich angrinsten.

Sehen Sie, das haben Sie mit Mark Zuckerberg, dem Gründer von Facebook, gemeinsam. Als durch eine Softwarepanne auf Facebook, die wievielste eigentlich, seine höchst privaten Fotos den passwortgeschützten höchst privaten Bereich unfreiwillig verließen, grinsten nicht nur ein paar Arbeitskollegen, sondern einige zig Millionen Facebooknutzer. Durch den Programmierfehler war es zeitweise möglich, an geschützte Bilder einiger Nutzer heranzukommen, bestätigte Facebook zähneknirschend. Seither wissen wir, wie Zuckerberg mit Kochschürze aussieht und dass er gerne Hühnchen isst. Ich empfehle Ihnen also dringend darauf zu achten, auch bei höchst privaten Fotos immer eine gute Figur zu machen. Bei dem lockeren Umgang der großen sozialen Netze mit den privaten Daten seiner Nutzer ist nicht mehr die Frage ob, sondern nur noch wann die eigene Privatsphäre in die Öffentlichkeit gerät. Endlich werde ich erfahren, was Sie, verehrter Leser, so am Heiligabend in unbeobachteten Momenten tun. Lächeln.

Samstag, 19. November 2011

Beepworld.de - NEWSLETTER #191 vom 18.11.2011

Von thofi, 13:02
VORWORT Ich liebe das Internet. Es ist effizient, hilfreich und bequem. Eine andere Meinung würde auch keiner von mir erwarten. Wenn ich weiß was ich suche, habe ich es fast im selben Moment auch schon gefunden, dank Suchmaschinen. Ich war noch nie so gut informiert wie jetzt, dank Smartphone sogar auch von unterwegs. Schlage ich mal eine Tageszeitung auf, so geht mein Blick bald zum Datum. Die soll von heute sein? Die Nachrichten kenne ich doch schon alle, von gestern Abend: iPhone kills the printed stars.
Und trotzdem fehlt mir etwas. In Zeitungen und Magazinen konnte ich Artikel finden und lesen, die ich nie gesucht hatte, fernab von meinen Interessengebieten: spannend, informativ, interessant, amüsant, aber aus bisher unbekanntem Terrain. Die fehlen mir jetzt.
Leitartikel, die aus Nachrichten erst ein Weltbild formen, fehlen mir auch. Und noch etwas fiel mir auf. Die Suchmaschinen bieten mir auf den ersten paar Seiten nur noch Ergebnisse, die meine früheren Suchanfragen berücksichtigen. Zulernen? Neue Interessengebiete? Ist bei Google und Co. nicht vorgesehen.
Man kann dank Internet immer mehr wissen, ohne wirklich klüger zu werden.
Ich habe wieder eine Tages- und Wochenzeitung abonniert,
meint Euer thofi

GLOSSE

Jetzt geben Sie es doch einfach mal zu, Sie haben Angst. Nein, nicht vor Ihrer Schwiegermutter, das heißt ja, das natürlich auch, aber ich spreche von etwas noch furchteinflößenderem, dem Alter.
Sie kennen natürlich auch die Statistiken: Während die Weltbevölkerung ständig wächst, jetzt sind es schon 7 Mrd., schrumpft und altert die Bevölkerung hierzulande, was das Zeug hält. Und wenn bald die Hälfte von uns alt ist, wer pflegt uns dann? Die andere Hälfte? Wissen Sie jetzt, warum Sie tatsächlich Angst haben müssen? Nein, ich mach‘ doch nur Scherze. Natürlich gibt es Hoffnung, und die kommt gerade aus dem Land, Sie wissen schon, das mit der strahlenden Zukunft, aber vielen alten Menschen.
Dort unterstützt Ri-Man die knappen Pflegekräfte, kann riechen, sehen, hören, und trägt die Alten auch schon mal ins Bett, serviert ihnen Speis und Trank, leert die Bettpfanne und spielt mit ihnen Spiele. Ach so, er ist natürlich ein Roboter, ein humanoider.
Nicht, dass die Alten das nicht bemerken würden, denn wer immer während freundlich, geduldig und lächelnd seine Arbeit verrichtet, kann nicht menschlich sein. Aber Angst haben die Alten nicht mehr vor ihnen.
An der Hotelrezeption und als Lehrer begegnet man ihnen in Japan bereits häufiger. Und in einem Stuttgarter Altenheim werden die "Care O-Bots" auch bereits als Hilfskräfte für die Pfleger getestet.
Sehen Sie, Angst brauchen Sie also nicht mehr zu haben. Nicht vor dem Alter, nur noch davor, dass dann mal der Strom ausfällt und sich Ihrem Bett plötzlich so seltsame ungeschickte und unfreundliche Wesen in Weiss nähern, mürrisch und gehetzt, ständiger Blick auf die Uhr, weil die Kasse ihnen nur 7 Minuten für Ihre Ganzkörperpflege und Anziehen verrechnen, und die tatsächlich behaupten, Ihre echten Pfleger zu sein.
Sehen Sie, davor müssen Sie Angst haben. Das ist kein Scherz.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Beepworld.de - NEWSLETTER #190 vom 18.10.2011

Von thofi, 14:59
VORWORT
Bilder von blutüberströmten Menschen, zerfetzten Zügen und Gebäuden, am Boden liegenden ins Koma geprügelten Opfern, 15-jährigen taumelnden Junkies, erinnern uns daran, dass auch wir in Deutschland auf keiner Insel der Seligen mehr leben. Sie sollten uns aber auch daran erinnern, dass die behördliche Gefahrenabwehr schleichend immer mehr Privatsphäre einkassiert, bei solchen Bildern willkommenerweise ohne größere Gegenwehr durch die Bevölkerung. Kameras überwachen uns vom ersten Schritt aus dem Hausflur über die U-Bahn bis zu dem Betreten öffentlicher Gebäude und Kaufhäuser und machen gerade mal vor den Toiletten und Umkleidekabinen halt - noch.
Die Technik erlaubt das Mitschneiden unserer Telefonate, SMS und emails, und die metergenaue Ortung unseres Aufenthaltsortes selbst bei ausgeschaltetem Handy. Aber noch können wir uns ja in die privaten Räumlichkeiten zurückziehen, um der immer kleinmaschigeren Überwachung zu entgehen. Noch?
Jetzt könnte durch das legale Einschleusen eines kleinen Spionageprogramms durch die Behörden auf den PC von zu Überwachenden, des sog. Staatstrojaners, die letzte Bastion gefallen sein, die Unverletzlichkeit der Wohnung (§ 13 Grundgesetz). Es schützt den Bürger vor Eingriffen des Staates, auch des Abhörens durch Richtmikrofonen, ein nicht hoch genug einzuschätzendes Recht.
Weicht hier die rechtsstaatliche Praxis den §13 auch nur um einen Jota auf, ist die grundsätzlich letzte Schwelle zum potenziell völlig gläsernen Bürger gefallen.
Es gebührt dem Hamburger Chaos Computer Club das Verdienst, diesen gefährlichen möglichen Schritt durch den Staat aufgedeckt zu haben.
Es scheint, dass das Land Bayern diesen Trojaner zum Einschleusen auf privaten Rechnern mit deutlich mehr Funktionen programmieren lassen hat, u.a. mit Screenshotfunktion und ferngesteuertem Anschalten der eingebauten Videocam und Mikrofons, als es das Bundesverfassungsgericht erlaubt hat. Das wäre nicht nur ein grober Verstoß gegen dessen Rechtsprechung durch das bayrische Innenministerium, sondern gibt denjenigen Nahrung, die behaupten, was technisch machbar ist wird der Staat irgendwann auch einsetzen, ob offen oder versteckt.
Warum erinnert mich das fatal an den Flop bei der Nobelpreisvergabe 1902, der die Entdeckung von Malaria als probates Mittel gegen die damals unheilbare Syphilis auszeichnete? Weil das vermeintliche Heilmittel langfristig mehr Schaden anrichtete als die eigentliche Krankheit,
meint Euer thofi

GLOSSE

Hallo Sie, ja Sie meine ich. Nun schauen Sie doch mal auf. Und nicht so hektisch. Sie genießen doch gerade ihr arbeitsfreies Wochenende. Sollte doch alles ganz entspannt zugehen. Ne, jetzt aber mal ganz ehrlich, wir kennen uns ja schon seit 190 Newsletterausgaben, also darf ich ihnen etwas ganz Persönliches sagen. Sie sehen Scheisse aus. Erratisch zuckende Augenlider, dunkle Ringe unter den Augen, nervös zuckende Hände, wildes Wechseln von einer Fernbedienung zu einer ihrer 6 anderen.
Aber mal was Erfreuliches. Was sehen Sie denn gerade auf ihrem schicken LCD TV der neuesten Generation mit vollem WLAN Anschluss, Youtube und Skypefunktion?
Ah, gemütlich zurücklehnen und HD geniessen. Den Film kenne ich aus dem Kino, dass der schon im gratis TV-Programm läuft, erstaunlich. Naja, bei Satellitenanschluss mit 500 Programmen ist eins immer dabei. Ach so, das ist eine DVD? Ne, auch nicht? Den streamen Sie gerade von ihrem PC, auf dem Sie movie2k.com aufgerufen haben? Augenblick mal, können Sie mal kurz auf den Sport Sender vom Pay TV Dienst SKY umschalten. Läuft da nicht gerade die Champions League? Gestern abend das Spiel habe ich ja leider verpasst! Wie, haben Sie aufgezeichnet? Oh ja, mal reinschauen, dieser eine Elfmeter.
Machen Sie doch bitte mal ihre Musikanlage leiser, ich verstehe ja den Kommentator nicht mehr. Und bitte, machen Sie es kurz, wenn ihre Schwester Sie schon ausgerechnet jetzt anskypen muss. Denn das MÜSSEN Sie sehen, auf youtube ist ein Clip vom kleinen grünen Alien BeepyBob zu sehen. Kult sage ich Ihnen.
Noch einen kleinen Tip am Rande: Versäumen Sie auf keinen Fall den neuesten Film von Woody Allen „Midnight in Paris“. Den können Sie auf Maxdome runterladen. Andererseits ist doch jetzt Simpson-Time auf ProSieben. Uff.
Gut nur, dass die Woche bald wieder beginnt. Damit Sie sich bei der Arbeit von dem Multimedia overflow des Wochenendes erholen und sich fit machen können, denn das nächste entspannte Wochenende mit unlimitiertem Medienkonsum kommt bestimmt.

Montag, 26. September 2011

Beepworld.de - NEWSLETTER #189 vom 25.09.2011

Von thofi, 11:30
VORWORT

Weg mit dem Internet! Spinnt der jetzt? Nein. Aber was würden wir alle wohl sagen, wenn sich unser heutiger Massenflugverkehr in kleinen Doppeldeckern der Gebrüder Wright abspielen müsste, mit Regeln, die für die gelegentlichen Starts oder Landungen unter Sicht auf einer Graspiste entwickelt wurden? Undenkbar? Chaotisch? Gefährlich? Genau diese Verhältnisse haben wir aber beim Internet. Vor rund 40 Jahren wurden die technischen Übereinkünfte zum Datenaustausch im Netz entwickelt, die man heute das „Internet Protokoll“ (IP) nennt. Egal ob online banking, ob Videos auf youtube oder emails, ob Kampfjetentwicklung, der Zugfahrplan oder der intelligente Stromzähler, ob Elektrizitätswerk, Verkehrsleitsystem, Geheimdienst oder Börse, alle das Internet nutzenden Dienste, Institutionen und Geräte unterliegen noch immer diesem Protokoll.
Geplant damals als Vorgabe des Militärs, auch bei Ausfällen ganzer Netzteile die Daten ihr Ziel finden zu lassen, selbstständig, grenzenlos, ohne zentrale Kontrollmöglichkeit, quasi anarchisch, fällt uns diese heute auf die Füße. Viren, Trojaner, Spam, gehackte Großunternehmen, Geheimnisdiebstahl, Cyberwar von Nationen gegen Nationen, eine ernst zu nehmende Kriegserklärung halbstarker Hacker für den 5. Nov. 2011 gegen Facebook, alles eine Folge eines Internetprotokolls, das niemals für den Austausch teilweise hochsensibler Daten von 2 Mrd. Nutzern weltweit gedacht war.

Bei einem 10 Bio. Dollar Business, das die digitale Wirtschaft dieses Jahr darstellen wird, ist ein kollektives globales „STOP“ eher unwahrscheinlich. Im Gegenteil, schon jetzt nehmen die Serverparks der großen Unternehmen wie Google, Microsoft oder Facebook die Funktion eines kollektiven Weltgedächtnisses ein, das unser Wissen nicht nur verwaltet sondern auch verantwortet: Was Suchmaschinen nicht finden, existiert auch nicht.
Nicht das Internet passt sich uns Menschen an, sondern wir passen uns dem Netz und seiner Dienste an. Wir verändern uns bis hin zu einem drohenden Verlust unserer Identität.
Schlimmer noch: Mit der flächendeckenden so bequemen Nutzung der Cloud durch Unternehmen, Gesundheitseinrichtungen, staatlichen Behörden, Privatpersonen, - lokale Daten werden ausgelagert in zentrale globale Serverfarmen von Fremdanbietern -, geht sogar die letzte Bastion, die selbstbestimmte Herrschaft über unsere eigenen Daten, verloren.
Deshalb einen Totalverzicht auf das Internet zu erwägen ist illusorisch.
Ich korrigiere mich also: Nicht weg mit dem Internet muss es heißen, sondern ein anderes Internet brauchen wir, eins das die Geburtsfehler des IP vermeidet, eins, das dem Nutzer einen Rechtsanspruch auf die Unversehrtheit seiner Daten einräumt, eins, das lokal bleibt, wo global überflüssig ist, und ein zweites, das nicht dem Massenverkehr sondern dem restriktiven Austausch hochsensibler Daten vorbehalten ist,
meint euer thofi.

GLOSSE

Sieg, das Internet hat gesiegt, die digitale Freiheit hat gesiegt, wir haben gesiegt, Sie haben gesiegt. Denn sicher haben Sie als internetaffiner Mensch diese Partei gewählt. Internet Aficionado sind Sie, sonst würden Sie ja nicht diesen, unseren Newsletter lesen. Ach, Sie wohnen gar nicht in Berlin? Seien Sie doch nicht so kleinlich. Natürlich hätten Sie „Die Piraten“ gewählt, wenn man Sie gelassen hätte. Schließlich wollen Sie nicht nochmal die Geburt einer künftigen staatstragenden Partei versäumen, wie damals bei den Grünen.
Nachdem schon damals das Ignorieren und auch das spöttische Lächeln über die „Ein-Thema-Partei“ nichts genutzt hat, haben Sie sich diesmal entschlossen, gleich auf der richtigen Seite zu stehen. Richtig gedacht: Die Grünen hatten damals zu einem vergleichbaren Zeitpunkt 4%, die Piraten jetzt 9% Wählerstimmen in Berlin. Hochgerechnet werden die Piraten die Regierung in 2017 entern, das Bundeskanzleramt in 2021.
Wir werden eine gläserne Regierung bekommen, die uns jede Stunde twittert, was sie gerade macht. Gäbe es das schon, auch bei den Franzosen, hätte uns das dann so spannende Tweets beschert wie von Strauss-Kahn „
Habe gerade ein dunkelhäutiges Zimmermädchen näher kennengelernt. In meinem Hotelzimmer, vor mir, auf den Knien. Für den Staatsanwalt: Ich glaube, eher hat sie mich gerade kennen gelernt.“
An allen hoch offiziösen Entscheidungen werden wir online beteiligt sein: Sollen beim Empfangsbankett für den Staatspräsidenten aus Burkina Faso a) Hähnchenschenkel, b) Schnitzel oder c) Hamburger serviert werden? Ein kleiner Schritt für Deutschland, aber ein riesiger für die direkte Demokratie.
Na kommen Sie, stimmen Sie mit mir ab. Klicken Sie den „I like it“ Button.

Montag, 25. Juli 2011

Beepworld.de - NEWSLETTER #188 vom 26.07.11

Von thofi, 14:13

Vorwort

Cocooning, das Ende des öffentlichen Raums, Isolierung, Vereinsamung und Vereinzelung, totaler Rückzug ins Private, was wurde nicht schon alles prognostiziert, wozu die vielfältigen Möglichkeiten der digitalen Welt unvermeidlich führen würden.
Thessa lud kürzlich ihre engsten Freunde zur Geburtstagsfeier nach Hamburg ein und gab ihre Wohnadresse bekannt, über Facebook, aber versehentlich öffentlich. Selbst die Polizei konnte nicht wirklich helfen, um die mehr als tausend wildfremden Gäste von dieser ungewollten Megafeier fern zu halten. Bisher übersehen: Auch der digitale Mensch sehnt sich nach realem Kontakt zu Artgenossen, je mehr und näher desto besser, und jetzt hat er mit Twitter und Facebook auch die Werkzeuge um solche Zusammentreffen zu bewerkstelligen.
Per Facebook oder Twitter wird sich zum Polkatanzen vor Rathäusern verabredet, zum Planking, dem massenhaften Hinlegen auf öffentlichen Plätzen, dem flashmobbing, spontan verabredetem Partyfeiern auf Parkplätzen oder in Parkhäusern in unwirtlichen Stadtgegenden, gemeinsamen Anstreichaktionen von grauen Betonpfeilern oder dem Blumen pflanzen an staubigen Stadtstraßenrändern zu Hunderten. Per youtube-Video wird dann der Weltgemeinschaft von dem Event Kunde gegeben.

Stadträume werden zurück erobert, reale Räume werden mit sinnlichen, körperlichen Erfahrungen gekoppelt. Das Mitmach-Web 2.0, jeder ein potenzieller Produzent, war der Beginn, angefangen bei dem Wikipedia-Projekt, längst erweitert auf Musikportale und youtube.
Zunehmend verschmilzt der virtuelle Raum mit dem realen, gleichzeitig hebt sich die Trennung von privatem und öffentlichem Raum auf. Solange der digitale Mensch selbstbestimmt bleibt, oder meint, es zu sein, stört ihn der selbstgesteuerte Verlust des Privaten nicht. Jetzt wird vieles in der Öffentlichkeit gemacht, was früher nur dem privaten Umfeld vorbehalten war, z.B. sich öffentlich massieren zu lassen, für alle vernehmlich zu telefonieren, in unisex Umkleideräumen sich gemeinsam umzuziehen, oder sehr private Clips und Fotos ins Netz zu stellen.

Auch die Kunst erobert zunehmend öffentliche Räume. Doku-Theater, d.h. Menschen und Geschehnisse aus dem realen Leben auf die Bühne zu stellen, ist heute. Morgen IST das Leben in der Öffentlichkeit die Bühne und wird zur Kunst erklärt. Nicht die Kunst lässt sich mehr instrumentalisieren, selbstbestimmt instrumentalisiert sie öffentliche Events.

Für uns digitalen Menschen sind Raum und Zeit unbedeutend geworden. Durch das millionenfach verbreitete Smartphone sind wir an keinen Ort und keine Zeit mehr gebunden, um zu arbeiten, zu kommunizieren, uns weiter zu bilden, zu informieren oder uns unterhalten zu lassen. Der Ort unseres Aufenthaltes, ob Büro oder Südseeinsel, Stadtpark oder Kaffeehaus ist unbedeutend geworden. Es sind wir, die Diginoms, die digitalen Nomaden, die öffentliche Räume zurück erobern und die Öffentlichkeit neu als unser Zuhause wählen, beobachtet euer thofi.

Glosse

Haben Sie oder haben Sie noch nicht? Nein? Dann wird’s
aber Zeit. Schließlich haben´s ganz viele schon. Was? Na, ein social net, für Sie als Anglophoben: ein Soziales Netz, capito? Wie, Sie sind schon lange Mitglied? Ich rede doch nicht von Mitgliedschaft bei Facebook und Co, sondern
von dem weit verbreiteten Hobby, ein eigenes soziales Netz zu gründen. Wer kennt wen, der noch nicht hat. Wer nennt die Zahlen, wer kennt die Namen, die da u.a. lauten Facebook, Lokalisten, MeinVZ, MySpace, StudiVZ, Wer-kennt-wen, Xing, Stayfriends, spin, uboot, kwick!, lokalisten, linkedin, Jappy, fotocommunity, Netmoms, Jux, aki-aki, grafiker, yourfriends…..

Der letzte bekannte Stand redet von über 150 sozialen Netzen, die allein um die Mitgliedschaft der rund 80 Mio. Deutschen buhlen. Die Hälfte der Deutschen ist mittlerweile schon dabei. Wie, Sie wollen nicht, nicht noch eins gründen? Sie trauen sich nicht, gegen die Übermacht von Facebook mit über 700 Mio. Nutzern auf der Welt an zu kommen? Feigling. Etwas Mut und Kreativität bitte.

Na gut, ich helfe Ihnen ein bisschen. Der Name ist wichtig, nennen Sie es doch z.B. ja, was halten Sie von google, ach gibt‘s schon, dann google+, genau. Innovativer Name und dann müssen Sie noch einen besonderen Anreiz schaffen, Mitglied zu werden. Sie können doch z.B. verbieten, Mitglied zu werden, genau.
Alte Marketingweisheit, was für jeden leicht erreichbar ist, ist nichts für jeden, da nicht sexy. Ja, dann sagen wir mal, nur ein Freund, der schon Mitglied ist, darf den Antrag stellen, Sie einladen zu dürfen. Genau, so machen wir das. Einmalig! Wie, nicht einmalig? Hat Google gerade gemacht, und bereits in der Testphase über 20 Mio. Mitglieder gewonnen? Wieder mal um 4 Wochen zu spät gekommen, um sicher Milliardär zu werden. Naja, da bleibt ihnen aber zumindest, Mitglied zu werden, bei google+.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Beepworld.de - NEWSLETTER #187 vom 28.06.11

Von thofi, 22:47

VORWORT

Es ist Krieg. Und die Regierungen der Welt freuen sich. Wie das? Ist die Welt verrückt geworden? Ja, schon, aber das ist hier nicht der Grund.
Die bekannten Hacker- und Crackergruppen der Welt liefern sich untereinander einen Krieg, um Gerechtigkeit, um die Vorherrschaft unter den Hackern, um die Freiheit des Netzes, um Ideologie, um Spaß, Raffgier, und um die Weltherrschaft.

Opfer waren bisher (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): 
Sonys Playstation Netzwerk mit mehr als 100 Mio. erbeuteten Kundendaten sowie Kreditkarteninfos. Täter: die selbst ernannten Spaßhacker Lulzsec. Lulzsec sind auch sonst sehr fleißig und wollen allen anderen Hackergruppen beweisen, dass es für Sie keinen Schutzwall, kein Hochsicherheitsnetz gibt, das sie nicht knacken können. Auf ihr Konto ging kürzlich der erfolgreiche Angriff auf Sony Pictures Entertainment (Beute: 50.000 personenbezogene Daten inkl. Passwörter), auf Sega Europe, bei der 1.3 Mio. Kundendaten in ihre Hände gerieten. Auch mit dem hack von Nintendo, CIA und größeren Pornoseiten brüstet sich Lulzsec. Letzteres ist besonders perfide, da Lulzsec ca. 60.000 Echtdatensätze aus den Pornoseiten veröffentlicht hat, peinlich für so manchen braven Familienvater oder konservativen Politiker. Übrigens, hier können Sie anhand ihrer eMailadresse überprüfen, ob auch Ihre Daten darunter sind: http://lulzsec.cloudcontrolled.com/. Falls ja, sofort alle Passwörter ändern.
Sony geriet ins Visier der selbst ernannten Netzschützer, weil sie einen überführten 22-jährigen Hacker alias geohot der vollen juristischen Härte auslieferten.
Den hack des UK Census 2011 mit Daten über alle Engländer reklamiert Lulzsec ebenfalls für sich. Den neuesten Coup gab Lulzsec diese Woche bekannt. Die Crackertruppe veröffentlichte Geheimdokumente der Polizei von Arizona über Geheimermittlungen einschließlich der Daten von verdeckten Ermittlern und Informanten, um die ihrer Meinung nach rassistische Einwanderungspolitik der Behörden anzuprangern. 
Abgewehrte Versuche gab es u.a. auf das Computersystem des Rüstungsgiganten Lockheed Martin und Google. Unbekannt ist auch, wer sich in die amerikanische Citibank hackte und 360.000 sensible Kontodaten erbeutete.
Lulzsec wird durch die Hackergruppe Anonymous bekämpft. Anonymous wurde in letzter Zeit bekannt, weil sie die Finanzfirmen lahmlegten, die die Konten der Enthüllungsplattform Wikileaks gesperrt hatten. Und auch der Ausfall der deutschen GEMA Datenbank ging auf ihre Rechnung, verhasst, weil die GEMA Nutzungsgebühren für Abspielen von Musikvideos auf Youtube fordert.

Jetzt mischen auch andere Internet-Gruppen im Cyber-War mit, so u.a. die „WebNinjas“ und die „Teampoison“, erklärte Feinde der Lulzsec. Dieser Krieg innerhalb der internationalen Hackerszene sorgt dafür, dass man versucht, gegenseitig die Identitäten der führenden Köpfe zu enttarnen, und per Twitter oder auf Websites veröffentlicht. Ohne eine solche Mithilfe wären die Regierungen der Welt und ihre Strafverfolgungsbehörden weitgehend machtlos. Der deutsche Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich hat letzte Woche das nationale Cyber-Abwehrzentrum offiziell eröffnet, eine Koordinationsstelle für den Schutz kritischer Infrastrukturen, ein Zugeständnis, dass da ein massives Problem existiert.

Neuesten Gerüchten nach haben sich die „Spaßtruppe“ Lulzsec und Anonymous jetzt verbündet, gemeinsam gegen den gängelnden Staat, ihr Urheberrecht verfolgende Unternehmen, und die anderen Hackergruppen in der Welt.
Es ist wie im richtigen Leben, Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Nur lustig ist es nicht wirklich, denn eine solche massive Bedrohung der Lebensader der modernen Gesellschaften „Internet“ wird notwendigerweise zu einschneidenden Abwehrmaßnahmen und lokalen, isolierten Lösungen führen, die die Freiheit des globalen Netzes zunehmend einschränken wird,befürchtet euer thofi.

 

GLOSSE

Das würde auch zu Ihnen passen. Na klar doch. Obwohl, ich gebe zu, auch mir würde das gefallen, eigentlich jedem, glaub ich, außer vielleicht dem Betroffenen. Jetzt stellen Sie sich mal vor, Ihr Boss hätte Sie erwischt, wie Sie eine private Internetseite, naja, Sie wissen schon, sehr privat, o.k. sprechen wir´s aus, sind ja unter uns, www.youporn.com aufgerufen haben. Hätte ja auch schlimmer kommen können, denken Sie, hätte ja auch Ihre Frau sein können, kam aber schlimmer, war ja Ihr Chef und der hätte Sie fristlos entlassen. Denn eine solche Begeisterung hätte er mehr bei Ihren dienstlichen Obliegenheiten und nicht bei dieser sehr privaten, na Sie wissen schon, „Tätigkeit“ erwartet.
Wie würden Sie sich rächen? Zugangspasswort zum PC des Chefs hatten Sie ja schon längst gecrackt. Also mal sehen, was denn da so alles drauf ist: Laaangweilig, nix Privates, nur Vertragskram, Strategiepapiere und eine fertige Powerpointpräsentation des CEO für einen Vortrag morgen in Boston vor wichtigen Kunden. Obwohl…
Die Präsentation hinterließ sicher einen bleibenden Eindruck. Oder würden Sie als Topkunde das jemals vergessen, wenn Sie statt Businesscharts vom CEO eines großen angesehenen Unternehmen hard core Pornobilder auf Powerpointfolien gezeigt bekämen?

Nein, SIE würden so was natürlich nie machen, aber ein 52-jähriger IT Manager in Baltimore hat´s getan – und wurde natürlich geschnappt. Der frustrierte Ex-Angestellte wurde von einem Gericht zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, sowie zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Wie ich Sie kenne, hätten Sie ihn als Richter zur Ableistung der 100 Stunden in ein Heim für abgehalfterte ehemalige Prostituierte gesteckt, sozusagen als Höchststrafe.

Freitag, 03. Juni 2011

Beepworld.de - NEWSLETTER #186 vom 03.06.11

Von thofi, 12:36

VORWORT 

 1,3 Billionen US$ lösten sich vor gut 10 Jahren an der Nasdaq (US Technikbörse) in Luft auf. So viel waren die rund 370 Internetfirmen wert, die dort 2000/2001 gelistet waren, 8% des Werts der gesamten amerikanischen Börse. Bis 2002 wurden es sogar 5 Billionen US $, die dort vernichtet wurden. Mit dem Platzen der dotcom Blase starben die Hoffnung auf stetes Wirtschaftswachstum, einem ewig währenden Internetboom, Reichtum für alle Aktienbesitzer und die Altersversorgung Hunderttausender von Menschen. Bevor etwas Platzen kann, muss es aufgebläht werden, das war 2009 bei der Immobilienblase nicht anders als 2000 bei der Dotcom-Blase.
Manche Firmen vervielfachten ihren Börsenwert in wenigen Wochen, einfach weil sie ein e- vor ihren Firmennamen hängten, oder ein .com hinten dran. Nur Wachstum zählte. „Wachse oder verschwinde“ hieß die Devise. Gewinne waren unsexy, denn das ginge ja zu Lasten des Wachstums. Ich entsinne mich noch gut an den Anblick eines geöffneten größeren Geldkoffers, der uns Gründern eines Startups 1999 von einem namhaften Venturekapitalgeber in unserem Wohnzimmer angeboten wurde, wenn wir diesen als Anteilseigner akzeptieren würden.
Die Blase platzte auch deshalb, weil viele Dotcom Firmen dasselbe Businessmodell verfolgten, Geld ausschließlich durch Werbung oder einen Börsengang herein bekommen zu wollen und sich die Internetfirmen nahezu ausschließlich gegenseitig bewarben. Initialzündung für das Platzen war wohl eher ein Zufall, dass Verkaufsaufträge in Milliardenhöhe am gleichen Tag für mehrere große Technologiefirmen wie Cisco, Dell, IBM usw. die Nasdaq in den Keller schickten. Das war für viele das Signal, ihre exorbitanten Gewinne mit Internetunternehmen noch im März 2000 an der Börse mitnehmen zu wollen. Innerhalb von wenigen Tagen verloren die Internet-Unternehmen an der Nasdaq mehr als 40% und auch das war noch nicht die Untergrenze. Nur einige wenige haben dieses Massaker überlebt, wie Amazon, eBay, Yahoo, oder Google.
Die heutige Internetnutzung steht auf viel breiterem Fundament, ist mit der Internetblase von damals nicht wirklich vergleichbar. Das Internet hat sich längst in allen Bereiche des täglichen Lebens etabliert. Die allermeisten Kunden haben Breitbandzugang. Börsengänge werden erst akzeptiert, wenn die Akzeptanz beim Kunden bereits nachgewiesen wurde, wie kürzlich linkedin, ein soziales Netz für Firmenangestellte, mit mehr als 100 Mio. Mitgliedern. Klone werden sehr schnell vom Markt geschluckt nach der Devise „The winner takes it all“. Beworben werden im Internet nicht mehr nur online-Firmen, sondern stark zunehmend auch traditionelle Unternehmen aus „Stein und Mörtel“, zu Lasten traditioneller Medien wie Print und TV.
Wachsam sollte man aber trotzdem sein. Da linkedin beim Börsengang am 19. Mai mit rund 9 Mrd. US $ bewertet wurde, mehr als die Lufthansa, aber nur 15 Mio. USD Gewinn macht, gehen bei mir wieder alle Warnlampen an. Wachsam soll man aber auch sein, wenn man die künftigen Champs unter der wieder wachsenden Anzahl neuer startups erkennen will.
Ich verrate Ihnen jetzt zwei startups auf meiner persönlichen Beobachtungsliste: das vor gut 2 Jahren gegründete groupon.com (Mengenrabattsystem), und das sehr junge heyzap.com (mobile online games teilen). Wer Tipps für deutsche startups haben will, geht auf http://www.deutsche-startups.de.
Von etwaigen Gewinnen, die Sie durch eine Beteiligung daran machen, kriege ich natürlich 20% ab. Etwaige Verluste dürfen Sie dagegen gerne selber behalten, wie im richtigen Leben, meint euer thofi.

GLOSSE

Ja, nun tun Sie es doch. Sie wollten es doch schon immer. Und jetzt haben Sie endlich einen guten Grund. Wozu? Na, sich freiwillig zum Militär zu melden, beim amerikanischen allerdings. Aber da ist es doch ohnehin viel spannender, mehr Action. Die Vorbereitung zu Ihrem Militäreinsatz ist allerdings eher langweilig. Nachtsichtgeräte, Laserzielführung, modernstes Waffenarsenal, Sniper-Ausbildung, sich anschleichen, zielen, abdrücken, naja, das Übliche eben. Gähn, kennen Sie schon alles, von Crytek´s „Far Cry“, „Crysis“, Ihrem Epic Games Shooterspiel „Unreal Tournament“, von „Gears of War“ oder von dem kostenlos von der US Army im Netz verbreiteten „America's Army“, bestens geeignet zur Rekrutenwerbung. Letzteres können Sie übrigens unbesorgt auch Ihre kleinen Kinder spielen lassen, weil das Blut der zerfetzten Gegner grün und nicht rot spritzt. Damit ist es in den USA jugendfrei eingestuft. Strikt nur noch an Erwachsene „Adults Only“ dagegen darf das Computerspiel "Grand Theft Auto: San Andreas" (GTA) in den USA verkauft werden. Begründung durch die jetzige Senatorin Hillary Clinton: "Wir sollten alle zutiefst beunruhigt darüber sein, dass ein Spiel, welches nun die Simulation unzüchtiger sexueller Akte in einem interaktiven Format mit höchst realistischen Grafiken ermöglicht, in die Hände junger Menschen im ganzen Land gefallen ist".
Und Sie wollen immer noch zur US Army? Ja doch, Sie werden sich heimisch fühlen bei der Ausbildung. Wie der Rüstungskonzern „Intelligent Decisions“ gerade meldet, habe man die CryEngine 3 des Frankfurter Studios Crytek Engine für die hauseigene Simulation „Dismounted Soldier“ lizenziert. Die Simulation ermögliche eine Vorbereitung auf reale Kriegseinsätze zu wesentlich geringeren Kosten als normale Manöver. Ebenso erlaube sie die Darstellung von Mimik, die Angst, Wut und Aggression der Soldaten ausdrückt. Neben Infanteristen würden auch Fahr- und Flugzeuge sowie Raketen-Systeme simuliert. Am Ende des Trainings lasse sich die Leistung jedes Rekruten gezielt analysieren.“
Sollten Sie das in der Simulation Erlernte dann im realen Kriegseinsatz anwenden wollen, empfehlen wir Ihnen dringend, sich das Drücken des RESET Knopfes abzugewöhnen. Vielleicht ist sonst das letzte, was Sie auf Ihrem Helmmonitor sehen werden der Hinweis „Sorry. Reset button disabled in real life“.


Mittwoch, 27. April 2011

Beepworld.de - NEWSLETTER #185 vom 27.04.11

Von thofi, 13:10

VORWORT

Wie wird sich unser aller Wohnzimmer in den nächsten Monaten und Jahren verändern? Dort der große moderne Flachbildschirm, verbunden mit einer MP3-Musikanlage? Kaum angeschafft, schon veraltet, vorbei, passe, wenn man den Auguren der diesjährigen Consumer Electronic Show in Las Vegas glauben will, und es gibt gute Gründe, ihnen zu glauben. Der Fernseher, der seine Zuschauer nur zuschauen lässt? Ohne Internetverbindung? War das mal so? Ganz selbstverständlich wird der Fernseher neueste Messages von Facebook-Freunden ebenso wie die Nachrichten zeigen, wird zur Spielekonsole ohne Zusatzgerät, hilft bei der Gymnastik, kontrolliert dabei den Blutdruck, und wird zur Video-Telefoniestation per Skype und eingebauter Kamera. Apps, kleine Progrämmchen für jeden Geschmack, werden nicht mehr nur den Smartphones und iPads vorbehalten bleiben, sondern auch die TV-Geräte bevölkern. Und wenn man ohnehin den halben Tag auf den Monitor starrt, kann man auch gleich die eBooks dort lesen oder vorlesen lassen, per Webcam schauen, wer draußen ums Haus schleicht, per Smart Grid den Stromverbrauch der einzelnen Verbraucher steuern und die Einkaufsliste dem örtlichen Supermarkt übermitteln.
Über Google TV wird man von den Sendeanstalten unabhängig und kann sich beliebige Onlineinhalte runterladen, was man will und wann man will.
Die Xbox von Microsoft wird mit dem Kinect Modul, Bewegungssteuerung völlig ohne Steuerungsgerät nur über Sprach- sowie Gestensteuerung per Kameraerfassung zur Sport- und Spaßzentrale im Wohnzimmer. Im Frühjahr soll eine Live-Chat-Funktion dazu kommen, mit der Xbox-User sich auf dem Monitor unterhalten können, als säßen sie gemeinsam davor - ihr Ebenbild auf dem Fernseher besteht aus Computerfiguren, die sich in einem virtuellen Raum befinden und ihnen ähnlich sehen: Die Software erzeugt die sogenannten Avatare automatisch, weil das Kinect-System seine Nutzer über Kameras erfasst und die Gesichter erkennt. 3D TV-Geräte, der Flop des letzten Jahres, nur mit schwerer Shutter-Brille zu genießen, dafür aber mit halbierter Auflösung, werden einen neuen Anlauf um die Zuschauergunst starten, diesmal aber ohne Brille, weil das Gerät die Blickrichtung der Pupillen der Zuschauer erkennt und entsprechend die Halbbilder auf das jeweilige Auge zur Erzeugung des 3D Effekts projiziert.
Schöne neue Welt? Ja, nur, das alles braucht Strom, und der ist begrenzt, teuer und schädigt bei seiner Erzeugung die Umwelt, so oder so, also häufiger mal abschalten, im wahrsten Sinn des Wortes, und statt Fitness auf dem Monitor zur Abwechslung aufs Fahrrad steigen und sich in die reale Welt einschalten, meint euer thofi.

GLOSSE

 

Sie sind schuld, ja, schauen Sie ruhig schuldbewusst. Haben Sie geglaubt, dass das ewig so gut gehen würde? Erst Ihren Schrank voller LPs. Dann vor 30 Jahren geschrumpft auf einen eleganten wohnzimmertauglichen Turm voller kleiner silberner Scheiben, genannt Compact Discs, und jetzt? Nur noch ein klitzekleiner MP3-Player, der mehr Musikstücke trägt, als Sie in Ihrem gesamten restlichen Leben noch hören können. Früher haben Sie jeden Monat ganze Scheine für Ihre LPs hingeblättert, dann Ihre CDs für immer weniger DM, später Euros erstanden, und jetzt? Es ist nicht immer Weihnachten noch Muttertag, da greift man ja schon mal zur Scheibe fürs Mütterchen, aber sonst? Wieso kaufen, wenn Sie neben dem Tee zubereiten schnell mal ein paar der neuesten Alben per Internet von Bittorrent & Co herunterladen können. Für lau, versteht sich, denn wer zahlt schon freiwillig, wenn er nicht muss. Kein Problem? Für Sie vielleicht nicht, aber für die Musikindustrie schon, die schrumpft und schrumpft. Und für die Musiker, deren Einnahmen aus den Verkäufen schrumpfen und schrumpfen. Und damit schrumpft auch die Vielfalt des Angebots. Sehen Sie, daran sind Sie schuld.

Dienstag, 08. März 2011

Beepworld.de - NEWSLETTER #184 vom 08.03.11

Von thofi, 20:52

VORWORT

 

Ein einzelnes Streichholz entzündete eine Revolution. Ein soziales Netzwerk half, das Feuer am Lodern zu halten, bis die Jahrzehnte alten starren Strukturen vergreister Diktaturen in Asche versanken.
Die öffentliche Selbstverbrennung eines tunesischen Gemüsehändlers als Protest gegen die Willkür des Regimes in Tunesien fegte letztlich den Diktator Ben Ali hinweg. Mubarak, der Autokrat, der Ägypten 30 Jahre mit diktatorischen Mitteln beherrschte, war der nächste, der sich der Bewegung aus dem Volk nicht mehr entgegen stemmen konnte. Libyens exzentrischer, um nicht zu sagen, geistesgestörte Gaddafi könnte der nächste sein.
Warum erst jetzt, warum nicht schon viel früher? fragen wir uns in unseren Jahrzehnte oder Jahrhunderte alten Demokratien. „Geben Sie Gedankenfreiheit“ heißt es bei Schillers „Don Carlos“ als Forderung des Volks an den König. Aber wie diese Forderung verbreiten bei zensierten gleichgeschalteten Medien, wie sie für Diktaturen üblich sind? Die Antwort: per sozialer Netze im Internet.
Der Versuch einer Revolte gegen den Wahlbetrug im Iran 2009 scheiterte. In ganz Iran waren damals nur 19.235 Twitterkonten registriert, Facebook nahezu unbekannt.
Den jetzigen Anstoß zur Revolution in Ägypten gab die „Bewegung 6. April“: Auf ihre bei Facebook gestellte Frage: „Geht ihr am 25. Januar demonstrieren?“ erhielten die Autoren binnen Kurzem zehntausende Antworten, und Hunderttausende nahmen an der Protestdemonstration „Tag des Zorns“ letztlich teil. Möglich war das nur, weil allein Facebook in Ägypten 5 Mio. Mitglieder hat. In Libyen waren im Juni 2010 dagegen nur 353.900 Libyer im ganzen Netz, das dazu noch frühzeitig abgedreht wurde, als die Unruhen diesen Januar begannen. Dort versuchen die Aufständischen Gaddafi entsprechend mit Waffengewalt zu vertreiben.
Facebook gab nicht den Anstoß für die Revolution, war aber absolut entscheidend für den Prozess als Fenster zur Welt, und als unkontrollierbare Kommunikations- und Organisationsplattform. Als die Regierung dann erkannte, dass ihr die größte Gefahr nicht von bewaffnenden Aufständigen sondern von gut ausgebildeten jungen Menschen an der Tastatur drohte und abrupt den Stecker der Handy-Netze und des Internet zog, hatte die Revolution genügend Momentum und benötigte kein Facebook mehr, um Mubarak endgültig zu stürzen.

Autokratische Regimes der ganzen Welt erkennen spätestens jetzt, dass ihrer Herrschaft von dem virtuellen Web 2.0 zunehmend reale Gefahr droht, wenn es von jungen Menschen gezielt gegen den Staat eingesetzt wird. Die Folgen können reale Veränderungen in Gesellschaft und Machtgefügen sein, wenn es auch leichter ist, per Internet Destruktion als Konstruktion zu organisieren. Regierungen der ganzen Welt werden vorsichtiger werden in der Zulassung von Internetdiensten wie Google, Facebook und Twitter und bei den Restriktionen, die sie diesen Betreibern auferlegen. Andererseits ist das Abschalten oder Behindern des Netzzugangs ein Offenbarungseid vor den Augen der Weltöffentlichkeit, schürt die Wut der jungen Protestierer noch stärker und hat, wie in Ägypten, den Sturz von Mubarak eher noch beschleunigt.

Ein Merkmal der Demokratie muss es sein, das Anrecht für jeden Bürger auf einen freien Zugang zum Internet garantieren und ermöglichen zu können,
meint Euer thofi

GLOSSE

 

Jetzt geht Ihnen auch der Allerwerteste auf Grundeis, stimmts? Was Sie das alles kosten wird, dieser Aufwand, die Chefin, und dann – Ihre Freunde, obwohl die eher. Naja, und natürlich Ihre Frau. So ganz nackt werden Sie sich fühlen. Aber nun muss ich Sie mal verteidigen. Man hat ihnen das alles auch viel zu leicht gemacht. Schließlich besteht ja jeder deutsche Text der Welt, der bereits geschriebene wie der, der noch geschrieben werden wird, aus nichts anderem als eine Aneinanderreihung von 26 Buchstaben, naja, und wie man die dann aneinanderreiht hat, darüber kann man diskutieren.
O.k., o.k. die Arbeit muss auch noch eigene Gedanken enthalten. Aber auch da muss ich Sie in Schutz nehmen. Es ist doch alles bereits gedacht worden in den vielleicht 30.000 Jahren menschlicher Kulturgeschichte, und aufgeschrieben wurde es in copy & paste- fähiger Form in den letzten 20 Jahren im Internet. Ihre Leistung besteht doch in Zeiten von Wikipedia eher darin, die Textstellen so zu kombinieren, dass selbst ihre Prüfer die verwendeten Quellen nicht identifizieren können und daher ihre eigenständige Leistung daher außerordentlich bemerkenswert finden. Na also, das ist ihnen doch gelungen. Gratuliere.
Wie? Nein, nein, da kann ich Sie beruhigen. Sie müssen jetzt nicht die Grundschule wiederholen. Da haben Sie aber etwas gründlich missverstanden in der Zeitung. Es ging da nicht um eine Abschlussarbeit in der Grundschule, sondern um eine Doktorarbeit.
Obwohl, zeigen Sie noch mal das Foto. Zeigt das nicht ihre Rektorin und Stellvertreterin? Warum nur lächeln die beiden Damen darauf so verschmitzt?

Donnerstag, 27. Januar 2011

Das elegante Universum

Von thofi, 15:40

Vollversion des Vortrags von Thomas Finkenstädt, RC Düsseldorf Süd mit Abbildungen als Powerpointpräsentation.

Angehängte Dateien:
(0 kb)
eleganteuniversumlangfassungfinkenstaedt.pdf eleganteuniversumlangfassungfinkenstaedt.pdf (83 kb)
ppuniversum1882010.ppt ppuniversum1882010.ppt (2739 kb)

Mittwoch, 26. Januar 2011

Beepworld.de - NEWSLETTER #183 vom 27.01.11

Von thofi, 11:15

VORWORT

 Es ist genau 10 Jahre her, dass die Menschen anfingen, im Internet das Sagen zu übernehmen. Kein Herrschaftswissen, durch die ausgewogenen Proporzaugen der Chefredakteure der großen Enzyklopädien gefiltert, sondern aus der Sicht des Fachmanns an der Wissensfront, oder auch von Menschen wie Sie und ich zusammen getragene Informationen, die sich auf einem winzigen Gebiet auskennen.
Die Überlebenswahrscheinlichkeit des Lexikon-Projekts „Wikipedia“ war gering, als es von Jimmy Wales am 15.1.2001 in England gegründet wurde, jederzeit in der Gefahr, im Schatten der großen Enzyklopädien einzugehen. Heute: Brockhaus? Enzyclopedia Britannica? Wikipedia hat sie längst alle platt gemacht. Es hat sich mit gegenwärtig 17 Mio. Artikeln zum größten gemeinsam geschaffenen Werk der Menschheit gemausert. 400 Mio. Menschen nutzen es weltweit bereits, in 260 Sprachen. Wikipedia ist die fünft meistbesuchte Seite der Welt. Jeder Mensch der Welt kann ohne großen Aufwand die Einträge bearbeiten. Alles was er braucht, ist ein Internetzugang. Die Einträge werden von rund 100.000 Freiwilligen überprüft, wobei allerdings einige Eintragungen besser unterblieben wären. In wissenschaftlichen Publikationen darf es daher nicht zitiert werden.
Da Wikipedia kostenlos ist und komplett auf Werbung verzichtet, lebt es ausschließlich von Spenden. Über 16 Mio. USD sind im letzten Jahr zusammengekommen.
Wikipedia hat das Mitmach-Web, das Web 2.0, von allen für alle, weit bevor sich dieser Begriff etabliert hat, als erste gelebt und damit dem Internet eine entscheidende Wendung gegeben.
Nichts ist so stark, wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist,
zitiert euer thofi.

GLOSSE

Warum haben Sie auch nicht, denn Sie haben ja nicht. Oder haben Sie doch, damals, vor gut 6 Jahren, Google Aktien zu 100 USD gekauft. Jetzt sind die 640 USD wert, schlappe 100% Gewinn/Jahr. Oder warum haben Sie nicht auf mich gehört und 1998 Appleaktien zu 3 Euro das Stück gekauft, für die Sie aktuell 255 Euro an der Börse erzielen. Hab ich gar nicht empfohlen? Beepworld gab es damals noch gar nicht? Richtig, Gründung war erst 1999, aber glauben Sie mir, hätte ich aber empfohlen, wenn ich damals schon unseren Newsletter geschrieben hätte.

Alles verpasst, nicht beteiligt am großen Börsenroulette? Keine Panik, können Sie jetzt alles nachholen, wenn Sie schnell sind und mutig, und 1 Mio. Mindesteinsatz auf der hohen Kante haben. Dann können Sie sich am Milliardenspiel FACEBOOK beteiligen, VOR dem öffentlichen Börsengang. Sie kennen Facebook, das ist die Story hinter dem Streifen „Social Networks“, der gerade 4 Golden Globes abgegriffen hat. Geld verdienen? Nein, das tut Facebook noch nicht so richtig. Bei einem Umsatz von 1,2 Mrd. USD im abgelaufenen Jahr und einem hochgerechneten Firmenwert von 50 Mrd. USD muss Facebook also gut 40 Jahre so weiter wirtschaften, um den Firmenwert als UMSATZ zu erreichen.

Sie fragen nach dem Gewinn von Facebook? Wie uncool? Bei Internetfirmen auf den Gewinn zu schielen ist ja völlig daneben. Würde man den selben Maßstab an einen typischen Vertreter der „Old Economy“ wie Siemens anlegen, müsste deren Firmenwert rund 4 Billionen !! USD betragen!

Trotzdem müssen Sie schnell sein, denn alle wollen jetzt schon vorbörslich bei Facebook einsteigen und Ihre 1 Mio. verzehnfachen – oder einen großen Sack Zitronen nach Hause tragen. Finanzkrise, Gier, mehr Bescheidenheit, war da mal was?
Mit Zitronen gehandelt hat z.B. der Medienmogul Murdoch, der MySpace, mit jetzt rund 100 Mio. Mitgliedern vor rund 5 Jahren DER Platzhirsch vor Facebook
, für 580 Mio. USD gekauft hatte. Heute ist MySpace höchstens noch 100 Mio. USD wert, bei 100 Mio. Betriebsverlusten kein Wunder, pro Halbjahr wohlgemerkt.
Facebook dagegen hat mittlerweile 580 Mio.!! Mitglieder. Im Internet gilt mehr als anderswo: The winner takes it all. Schon für den Zweiten ist kein Platz mehr. Sie können mit einer Zahl wie 50 Mrd. USD Firmenwert von Facebook nichts anfangen? Hier mal ein Vergleich, den Sie ganz sicher verstehen werden: Das ist etwa die Hälfte von den Zinsen, die in Deutschland Bund, Land und Gemeinden allein für ihren Schuldendienst zahlen müssen, ohne Tilgung, Jahr für Jahr.
Sehen Sie, wenigsten daran sind Sie beteiligt.

Freitag, 24. Dezember 2010

Beepworld.de - NEWSLETTER #182 vom 24.12.10

Von thofi, 15:35

VORWORT

Wer bisher glaubte, dass die Zeiten vorbei sind, in denen ein einzelner, einsamer Cowboy die Welt rocken konnte, muss sich seit Wikileaks eines Besseren belehren lassen. Der Wikileaks-Gründer Julian Assange hat das wohl größte ideologisch motivierte Experiment der neueren Demokratiegeschichte begonnen: Was passiert, wenn Politik komplett öffentlich wird, also das Gegenteil von Diplomatie erzwungen wird. Keine geheimen Absprachen werden mehr möglich sein, da alles öffentlich werden kann, kein Reden mit gespaltener Zunge: keine öffentliche Empörung über die USA in den Nahostländern, insgeheim aber die Aufforderung gegen einer der Ihren mit der vollen Kriegsmaschinerie zuzuschlagen. Kein Zeigen mit dem Finger auf die anderen mehr, denn ob USA, China, Russland, Naher Osten oder Europa, ob Politik, Militär, ob Großkonzerne oder Banken: alle haben bisher wohl verborgene Leichen im Keller. Und jetzt lecken die bisher diplomatisch fest verschlossenen Quellen, dank Wikileaks.
Dass zu Datenlecks immer zwei gehören, die einen, die das Leck fahrlässig zulassen, und die anderen, die das Leck dann ausnutzen, sollte man bei denen, die Wikileaks verurteilt sehen wollen, auch im Hinterkopf haben.
Dieses Experiment geht uns alle an, jenseits von akademischem Interesse, sondern lebensnah. Notfalls im wörtlichen Sinn, denn wenn die strategisch verwundbarsten Einrichtungen der USA, national und international, veröffentlicht werden, wie jüngst geschehen, können künftige Terroranschläge noch viel effektiver werden, und die Lebensadern eines Land verwunden. Auch wenn Spione durch Wikileaks enttarnt, heimliche Allianzen bei Verhandlungen offenbart werden, kann auch unsere individuelle Sicherheit gefährdet sein.
Oder wird ein völlig neuer internationaler Politikstil entstehen, weil man bei jeder Absprache und Anweisung immer damit rechnen muss, dass sie öffentlich wird, also müssen sie ehrlich werden. Völlige Ehrlichkeit und Offenheit als künftiges Politikprinzip?
Ja, wünschenswert für Gutmenschen, aber unklug und gefährlich, durchgängig umzusetzen. Es muss für die Politik auch geschützte Räume geben, wo etwas ungestört entwickelt werden kann. So wie Orpheus seine Eurydike für immer verlor, weil er sich zu früh nach ihr umdrehte um sich zu vergewissern, dass sie ihm im Hades wirklich zum Tageslicht folgte, droht die Politik überlebensnotwendige strategische Planungsfähigkeit zu verlieren, meint euer thofi.

GLOSSE

Sie natürlich auch, Sie sind auch so ein ganz Bequemer, wie so viele. Naja, können Sie sich ja auch leisten, technisch voll ausgerüstet wie Sie sind. Auf die Straße brauchen Sie weder für Ihre Büroarbeit, Einkaufen, Geldgeschäfte erledigen, Videoausleihen, Reise buchen mehr. Nur die Reise selber antreten, das müssen Sie noch. Dafür verlassen Sie aber doch gerne ihren Sessel, um ins warme Ägypten zu kommen. Schnell ein paar Klicks im Internet, und schon ist die Reise verbindlich gebucht! Einfach gebucht? Mit nur ein paar Klicks? Ha, dann legen Sie mal los, Beruhigungstabletten und heißen Baldriantee aber nicht vergessen.

Also, wann wollen Sie abfliegen, wann ankommen, wie viele Tage, von welchem Flughafen aus, darf´s auch einer in der Umgebung sein? All inclusive, Voll-, Halb- oder gar keine Pension. Mit wie vielen Personen, sind Kinder dabei? Wie alt? Uff, Sie sehen gestresst aus, aber das sollten Sie sich für später aufheben. Jetzt die alles entscheidende Frage, wo soll es hingehen? Kontinent, Land, Stadt, Ferienanlage, Überraschungsziel?
Also Ägypten, ganz meiner Meinung. Noch schön warm jetzt dort. Eintippen und tausend Angebote durch studieren. Wie teuer darf es denn sein? Halt, Kommando zurück, ihre Frau hat Angst, islamisches Land und so. Ist zwar kein islamisches Land, aber wenn die Frau doch Angst hat, wir verstehen Sie ja. Also, anderes Reiseland aussuchen.
Halt, zunächst ein paar Daten eingeben: Wann wollen Sie abfliegen, wann ankommen, wie viele Tage, von welchem Flughafen aus, darf´s auch einer in der Umgebung sein? Tipp, tipp, Tee schlürfen, tipp, tipp. Kommt Ihnen bekannt vor?
Aber leider ihrer Reiseveranstalterseite nicht. Neues Reiseziel heißt, alle Daten neu eingeben müssen. Noch was übrig von ihrem Baldriantee?
Jetzt endlich haben Sie sich entschieden, Mallorca. Gut so. Wenn man den Ballermann weiträumig umgeht kann einem dort ja auch kaum was passieren. Also, wann wollen Sie abfliegen, wann ankommen, wie viele Tage, von welchem Flughafen aus, darf´s auch einer in der Umgebung sein? Usw. usw. Tee schlürfen, usw. usw. Aber lohnt sich auch, ist ja echt billig. So, jetzt nur noch die Bankdaten eingeben und – jetzt müssen Sie ganz tapfer sein.
Meldung lesen. Hinweis: Wir haben vom Veranstalter "TUI" eine Preiserhöhung erhalten. Der Gesamtpreis ihrer Reise beträgt jetzt € xxx statt € yyyy.
TUI leistet sich eine schlappe Verdoppelung des Reisepreises bei einigen Reisen gegenüber den ursprünglichen ausgewiesenen Buchungsdaten.
Na, es gibt ja noch andere Reiseanbieter, z.B. Meyers. Halt, zunächst ein paar Daten eingeben: Wann wollen Sie abfliegen, wann ankommen, wie viele Tage, von welchem Flughafen aus, darf´s auch einer in der Umgebung sein? Usw. usw. Tee schlürfen, usw. usw.
Alle günstigen Reisen anzeigen lassen und jetzt? Jetzt müssen Sie ganz ganz tapfer sein:
Was immer Sie an "günstigen" Reisen, wie beworben, anklicken, erscheint mit der Meldung versehen: Schon ausgebucht. Ist ihnen schon aufgefallen? Das ganze Jahr scheinen diese günstigen Reisen bei Meyers ausgebucht zu sein. Freut uns doch, dass sich Meyers einer so großen Nachfrage erfreut.
Naja, sie sind doch ohnehin so ein ganz Bequemer. Ich kenne da ein paar gute Reiseseiten. Da können Sie aus dem bequemen Sessel heraus Reisevideos von Ägypten sehen. Heizung höher stellen, Baldriantee durch stark gesüßten Pfefferminztee ersetzen und den PLAY Button drücken. Mehr ist nicht zu tun.

Mittwoch, 17. November 2010

Beepworld.de - NEWSLETTER #181 vom 17.11.10

Von thofi, 16:18

VORWORT

Die Tage werden trüber, die ersten Weihnachtsmärkte werden aufgebaut, das Jahr nähert sich dem Ende, Zeit einen – völlig subjektiven - Blick zurück zu werfen. Was hat uns in der Computer- und Internetbranche 2010 bewegt?

Tops: Vor genau 20 Jahren ging mit http://info.cern.ch die erste Website online. Apple hat das iPad & iPhone 4 auf den Markt gebracht. Ersteres mit geringerem Erfolg als erwartet, letzteres mit riesigem Erfolg, auch wenn man besser ein zweites Handy zum Telefonieren einstecken haben sollte. Microsoft hat mit dem neuen Windows Phone7 mit 2 Jahre Verspätung ein Smartphone Betriebssystem entwickelt, das zumindest nicht schlechter als das seiner Konkurrenten Android und iPhone ist. Das iPhone wurde endlich befreit von Fesseln an einen bestimmten Provider & kann sogar im Appleshop gekauft werden. Das 3-D-Kino, der Renner 2010 war der Film Avatar, ist in Form von 3D- TVs in die Wohnzimmer gewandert, aber noch mit Spezialbrille. Die soll im nächsten Jahr auch entfallen können. Die ersten BluRay-Rekorder stehen in den Ladenregalen. Toshiba stellt die ersten kauffähigen 3 Terabyte Festplatten (für unter 200 Euro) vor. Am ersten Tag der Auslieferung wurden allein in den USA & England 5,6 Mio. Exemplare von dem Hammerspiel „Call of Duty“ verkauft. USB wird künftig kabellos sein. Der neue WUSB Standard, so schnell wie USB 2.0, ist definiert. Facebook kann das 500.000.000. Mitglied feiern. Der Cyberkrieg ist im richtigen Leben angekommen und verzögert durch den Wurm Stuxnet die Inbetriebnahme eines Atomkraftwerkes im Iran. Das Cloud Computing, mit dem die Daten vom eigenen Server oder PC in eine externe Wolke von Servern von Fremdanbietern wie Microsoft oder Google wandert, ist salonfähig geworden. Microsoft hat mit Kinect eine controllerlose neuartige Bewegungserfassung auf den Markt gebracht, die zusammen mit der Xbox ein völlig neues Spielerlebnis ermöglicht, von sportlichen Übungen im Wohnzimmer ganz zu schweigen. Angeblich stammt die Technologie aus der israelischen Militärforschung. Die ersten Quanten-„Verstärker“ funktionieren bereits im Labor bei Zimmertemperatur. Auf die unpraktische Kühlung auf fast minus 270 Grad kann dadurch verzichtet werden. Das erlaubt in absehbarer Zeit den Betrieb von prinzipiell unknackbaren Verschlüsselungstechniken und natürlich 1000fach schnelleren Computern auf Quantenprozessorenbasis. Wikileaks bringt die US-Regierung in die Bredouille durch Internetveröffentlichung von Hunderttausenden von geheimen Kriegsdokumenten aus dem Irak- und Afghanistankrieg.

Flops: Der gerade zum 1. November mit großem medialen Aufwand von der Bundesregierung angebotene Personalausweis mit Chip, mit dem Bezahlen über das Internet mit Sicherheit funktionieren sollte, muss zunächst softwaremäßig überarbeitet werden, weil sich eine größere Sicherheitslücke aufgetan hat. Die Anzahl der Computerviren hat sich im Laufe des Jahres 2010 mehr als verdoppelt, die Botnetze haben sich mehr als verzwanzigfacht. Die Websperren per STOP-Schild gegen Kinderpornographie wurden in diesem Jahr Gesetz, kamen aber bisher nicht zum Einsatz. Vielleicht weil es kinderleicht ist, die Sperre zu umgehen? Die Bundesregierung hat mit einem Aufwand von rund 60 Millionen € die Umstellung der Erfassung von Arbeitnehmerdaten von Papier auf digital (Elena) vorbereitet. Jetzt soll das digitale Sammeln von Arbeitnehmerdaten wegen massiver Proteste und zweifelhaften Nutzens gestoppt werden. Die Piratenpartei? War da mal was? Ja, nur noch Beschäftigung mit sich selbst und Streit untereinander, Piratenverhalten eben. Die sogenannten Nacktscanner werden auf den ersten Flughäfen eingesetzt. Das Corpus delicti wird aber nur als Strichmännchen auf dem Scanner zu sehen sein.
250.000 Einsprüche gab es gegen Googles Street View, das jedes Haus, jeden Gartenzaun, jede Straße ab fotografiert. Der Prozess Oracle gegen SAP wegen Industriespionage hat am 1. November begonnen. Die amerikanische Tochter von SAP hat sich im Prinzip bereits schuldig bekannt. Google zog sich vorübergehend aus China zurück, weil sie sich der chinesischen Zensur nicht weiter beugen wollten. Geändert hat sich an der Zensur aber nichts. AOL zieht sich vollständig aus Deutschland zurück und schließt alle Büros, aber nicht aus politischen sondern aus finanziellen Gründen.
Woran haben sich die Menschen früher vor dem Internetzeitalter eigentlich begeistert oder fasziniert, fragt einigermaßen ernsthaft euer thofi.

GLOSSE

Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Haben Sie sich doch auch schon häufiger gefragt, vor allem, wenn Sie nach langer feuchter Nacht früh morgens um elf am Flurspiegel entlangstreichen und versuchen, sich auf eins der beiden verwischten Gesichter dort zu konzentrieren. Sind das wirklich Sie? Da hilft nur ein Blick auf ihren neuen Personalausweis. Aber der ist ja auch noch für anderes gut, als Unterschriftersatz, zum Anmelden bei Behörden, zum rechtskräftigen Ausfüllen von Formularen und fürs Bezahlen im Internet. Sehen Sie, ohne den neuen Personalausweis müssten Sie jetzt drei starke Kaffee trinken, versuchen, sich ohne Blutbad nass zu rasieren, in die Bahn steigen und zum Rathaus fahren, ihren in der Nacht mirakulöserweise abhanden gekommenen Führerschein neu beantragen, den in der Jackentasche aus dem Nichts aufgetauchten Strafzettel bezahlen, vorher noch bei ihrer Bank den dafür nötigen Kleinkredit aufnehmen, zurück zum Rathaus fahren, zahlen, unterschreiben, und einen Termin in 3 Monaten ausmachen zum Abholen des Führerscheins. Stattdessen? Setzen sich an ihren PC, legen den neuen Perso an das angeschlossene Lesegerät, versuchen den Nebel im Kopf zu verscheuchen um sich an ihre PIN zu erinnern, wahlweise an das Datum ihres Hochzeittages, wobei Sie sich nicht einmal erinnern können, ob Sie noch immer verheiratet sind, rufen die Rathausadresse im Internet auf, beantragen, unterschreiben elektronisch und überweisen. Bei ihrer Bank haben Sie auch gleich noch alles klar gemacht, wobei deutlich geholfen hat, dass ihr Bankberater elektronisch ihren Persoausweises sehen konnte und nicht ihr augenblickliches Gesicht, und der Chip auf dem Ausweis noch keine aktuellen Atemwerte speichert. Speichern können andere ihnen weniger wohlgesonnene Mitbürger aber ihre Pin über eine gerade bekannt gewordene Sicherheitslücke im notwendigen AusweisApp auf ihrem PC und sich so ihre Identität z.B. zum ausgiebigen Weihnachtsshopping im Netz „borgen“.
Der neue Personalausweis kann ihnen also lieb und teuer werden, teuer zumindest ist er mit 28,80 Euro ja jetzt schon. Aber in ihrem Fall hätte ich da mal keine Angst. Wer will schon ihre Identität in ihrem jetzigen Zustand klauen?

 

Montag, 11. Oktober 2010

Beepworld.de - NEWSLETTER #180 vom 11.10.10

Von thofi, 16:57

VORWORT

6. September 2007. Israelische Kampfbomber zerstören erfolgreich eine entstehende syrische Kernenergieanlage, völlig unbemerkt durch die teure syrische Flugabwehr. Statt herannahenden Bombern zeigte deren Radar eine friedliche Simulation, durch eingeschleuste sog. Logikbomben israelischer Militärhacker ferngesteuert.
26. September 2010. Die Inbetriebnahme des iranischen Atomkraftwerks Bushehr wird durch einen vermutlich über verseuchte USB Sticks eingeschleusten Computerwurm namens Stuxnet um mehrere Monate verzögert. Es ist die größte Schadsoftwareoperation der Geschichte. Experten sagen, dass nur Staaten wie USA und Israel in der Lage sind, Cyberattacken dieser Komplexität durchzuführen.
Standen wir nicht fast alle mal auf der Straße und haben gegen atomare Aufrüstung demonstriert? Ich kann Sie beruhigen, die A-Bombe ist out. Der Krieg der Zukunft wird völlig geräuschlos und deutlich effizienter, wenn auch nicht weniger verlustreich mit der @-Bombe ausgetragen: Atomkraftwerke versagen, Flieger stürzen ab, Energie-, Telefon- und Computernetze sowie das Finanzsystem brechen zusammen: die gesamte Infrastruktur einer modernen Gesellschaft versagt mit anarchistischen Folgen wie Pleitewellen, Hungersnöten, Plünderungen und Aufruhr.
Die Streitkräfte der USA und viele andere Staaten haben längst ihre Online-Armeen in Stellung gebracht. Auch Deutschland plant ein solches Kommando. Das Ziel ist die Dominanz im globalen Cyberspace. Aktiv sind diese Hacker in Uniform aber bereits heute, in Friedenszeiten. Sie schleusen jetzt schon winzige Schadprogramme, sog. Logikbomben, in die Steuerungssoftware strategisch wichtiger Systeme des möglichen Gegners, die im Konfliktfall dann ferngesteuert die Steuerungssoftware unter Kontrolle bringen. Da wird auch vor befreundeten Staaten nicht halt gemacht, wie der chinesische Hackerangriff auf deutsche Hightech-Unternehmen und sogar dem Kanzleramt 2007 beweist.
Wenn der Cyberkrieg geschlagen, Internet und Infrastruktur weltweit zerstört ist, wird Krieg wieder mit Steinäxten ausgetragen werden statt mit Bomben oder der Tastatur, aber Krieg schafft sich trotzdem nicht ab, solange der Mensch die Erde bevölkert, meint euer thofi.

GLOSSE

Sie sind doch auch einer, stimmts? Ein ganz heimlicher, wenn alle schlafen, dann erst legen Sie so richtig los. Leicht verschämt lesen Sie die Nachrichten über den diesjährigen Literaturnobelpreisträger. Llosa aus Peru. Peru? Rein strategisch, ihr Interesse, versteht sich. Sie müssen sich ja über ihre Konkurrenten informieren. Sehe ich genauso. Mist, letztes Jahr war mit Herta Müller schon jemand aus Deutschland dran. Da müssen Sie noch etwas warten, bis wieder ein Autor aus Deutschland fällig ist. Aber Sie brauchen ja ohnehin noch Zeit. So, den Buchtitel ihres geplanten Werks haben Sie schon? „Das Buch“ wollen Sie es nennen. Kurz, griffig, programmatisch, leicht in alle Weltsprachen zu übersetzen, muss einfach was werden? Aha. Warum dann aber so heimlich?
Ihre Frau fragt, welcher Verleger ihren Seelenerguss drucken lassen will? Wie unsensibel, ihre Frau. Nun hören Sie bloß nicht auf sie. Die immer mit ihrer Sicherheitsnadel, mit der sie Ihre hehren Träume platzen lässt.
Wer braucht denn heute noch einen Verleger? Wir leben doch in der Welt 2.0, der Mitmachwelt. Erst haben die Schnappschüsse von Millionen von Fritzchen Müllers die professionellen Fotografen an den Rand der Pleite gebracht, dann die unzähligen Amateurvideos auf Youtube die ausgebildeten Kameramänner. Musikgruppen hebeln über das Internet die traditionellen Vertriebswege der Musikindustrie aus. Journalisten und Zeitungsmacher müssen mit der Konkurrenz der Hunderttausende von Blogger und Freizeitschreiber leben. Und jetzt dies, die letzte Bastion ist gefallen. Das Buch 2.0 ist da, das selbstpublizierte Buch in einem eBook Format.
Wissen Sie schon längst? Sie haben schon einen Vertrag mit Books on Demand, Tredition und Epubli zum Vertrieb über Amazon oder Apples iBook-Store?
Ehrensache, sobald Ihr Buch verfügbar ist, werde ich es herunterladen, und das von meinen 20 anderen Freunden auch, sowie die von den 100 Bekannten und den 1000 Facebookfreunden, und den Millionen Fritzschen Müllers dieser Welt. Lesen? Nein lesen kann ich die natürlich nicht. Keine Zeit, wissen Sie, ich schreibe gerade, ja, ein Buch, nachts, wenn alle anderen schlafen. Und ein origineller Buchtitel ist mir auch gerade spontan eingefallen. Ich nenne es „Das Buch“. Kurz, griffig, programmatisch, leicht in alle Weltsprachen zu übersetzen. Muss einfach was werden.

Montag, 13. September 2010

Beepworld.de - NEWSLETTER #179 vom 13.09.10

Von thofi, 17:17

VORWORT Wie war das nochmal? Die gerade in Berlin stattfindende Internationale Funkausstellung (IFA) ist für das Wohnzimmer zuständig mit TV und Musik, die demnächst beginnende Photokina in Köln für Outdoor, mit Bilder- und Videosmachen für draußen, die im Frühjahr in Hannover stattfindende CeBit für Computer, und für Handys ist die mobile Messe in Barcelona im Februar die Leitmesse? Heute drehe ich meine Videos mit dem Handy, verarbeite sie auf dem Laptop, lade sie auf youtube hoch und genieße sie auf meinem heimischen TV mit Internetanschluss. Musik streame ich von meinem Laptop drahtlos auf meine Multimedianlage im Wohnzimmer, und steuere beide mit meinem Smartphone, früher Handy genannt. Letzteres empfängt natürlich ebenfalls den Musikstream, wenn ich nicht gerade darüber Mozart per Internetradio empfange. TV und Filme sehe ich dann, wenn ich Zeit habe, auf meinem Laptop. Habe ich Lust auf ein großes Bild sehe ich die Laptopfilme per Stream auf dem TV an. Dürfen es auch mal kleinere Formate oder mobil sein, kann ich das TV Programm natürlich auch auf meinem Smartphone genießen. Die vielfältige Unterhaltungselektronik verschmilzt gegenwärtig mit dem PC und erobert das gesamte Haus, kabellos, versteht sich, wie auf der IFA gut zu sehen ist. Aber auch das ist schon fast Schnee von gestern. Man muss nicht Steve Jobs heißen, um die aktuelle Wohnzimmermultimediaunterhaltungsbüroanlage nur als Übergangslösung zum völligen mobilen Arbeits- und Unterhaltungsgerät zu sehen. Apple´s iPad is just the beginning, meint euer thofi.

GLOSSE

Ach ne, wie süß. So was hatten wir doch auch mal früher. So eine große Kiste zum Arbeiten, Notebook oder Laptop genannt. Haben Sie denn schon ihren Bandscheibenvorfall oder warten Sie noch drauf? Wäre kein Wunder, bei den knapp 4 Kg, die Sie da dauernd mit sich rumtragen müssen, um zuhause und im Büro arbeitsfähig zu sein. Und was ist das? Na das da, was ihre Hosentasche so ausbeult? Nein, das heben Sie sich mal für Ihre Frau heute Abend auf. Ich meine das eckige da, ihr Handy? Ist ja toll, und was ist dann das da, mit dem Kopfhörer? Ihr MP3 Player, na man fasst es ja nicht. Da halten Sie ja noch was in der Hand, der linken, das ist, das ist, ja, ein Navigationssystem. Tooolll. Aber die rechte Hand ist noch frei, oder? Aber neeein, da umfassen Sie ja bereits etwas verkrampft, eine Digitalkamera. Glauuubt man das denn? War´s das denn jetzt etwas schon, nur 5 Geräte und Sie trauen sich schon auf die Straße? Wo ist denn ihre mobile Spielkonsole, ihr Taschenrechner, ihre Videokamera, ihr Video-Player, ihr Bookreader? Wissen Sie, es gibt da so kleine Anhänger im Baumarkt, da passen nicht nur alle ihre heute überlebensnotwendigen Geräte drauf, sondern auch noch ein kleiner Selbstversorger, so ein Stromgenerator. Wie das stattdessen ich löse? Gähn, naja, mit rund 150 Gramm, 120mm Länge und 24 Stunden Akkulaufzeit eben, einem Smartphone natürlich.

Mittwoch, 11. August 2010

Beepworld.de - NEWSLETTER #178 vom 10.08.10

Von thofi, 14:07

VORWORT Manche können nicht anders und müssen die einzelnen Seiten aus Papier spüren, den Einband des Buches anfassen können. Andere genießen es, -zig Bücher in den Urlaub mitnehmen zu können, ohne ein einziges Gramm mehr Gewicht im Koffer zu haben, zu lesen per Kindle, dem Verkaufsschlager von Amazon oder dem iPad von Apple. Eins aber haben beide Lesergruppen gemeinsam. Sie müssen das Gleiche zahlen für jedes Buch, ob teuer auf Papier bedruckt mit Einband und in Zellophan verpackt ins Buchgeschäft transportiert, oder in Bits und Bytes, auf Knopfdruck millionenfach zu null Kosten vervielfältigt. Während man in Deutschland die Buchpreisbindung für dieses erstaunliche Phänomen verantwortlich machen könnte, ist der auffällige Gleichklang der Preise für elektronische Bücher bei Apple und Amazon in den USA nicht so einfach zu erklären. Das rief das US Justizministerium auf den Plan, das diesen sicher völlig zufälligen Gleichklang der bei den sonst so erbitterten Konkurrenten untersucht. Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es. Ob das aber so gemeint war, dass bei Gleichklang der Preise die Kassen aller belebt klingeln, zum Schaden des Verbrauchers? Klingelt da bei uns in Deutschland nicht auch was? Klar doch, die wundersamen gleichlautenden Erhöhungen der Spritpreise vor Beginn der Reisesaison, ob bei BP oder Esso. Mal heißt die Begründung, steigende Rohölpreise. Da die aber seit Jahren im Sinkflug sind, muss halt der Dollarkurs herhalten. Mal steigt er, mal fällt er, aber der Benzinpreis kennt nur eine Richtung, gen Norden. Dann wäre da noch der Strom. Die Staatsanwaltschaft, diesmal die Deutsche, ermittelt gegen Stromkonzerne wegen Preisabsprachen. 1 Mrd. wurden demnach den Verbrauchern letztes Jahr zu viel abgeknöpft. Konkurrenz belebt das Geschäft? Dann war da noch der Gaspreis. Mit schöner Regelmäßigkeit wird medienwirksam von Politikern dagegen gewettert und eine schärfere Gangart gegenüber den Energieversorgern angekündigt, die die 40% gesunkenen Gaspreise auf dem Weltmarkt partout nicht an den Kunden weitergeben wollen. Begründung: Sie haben das Gas vor 3 Jahren eingekauft, als die Preise noch hoch waren. Leuchtet ein. Nur wann bekam der Verbraucher sein Gas schon mal billiger gegen den Markttrend, weil die Gasversorger drei Jahre zuvor auf niedrigem Weltpreisniveau eingekauft haben? Konkurrenz sieht anders aus, meint euer thofi.

GLOSSE

Ach, Sie auch? Nun werden Sie doch nicht gleich rot. Sie befinden sich doch in guter, um nicht zu sagen, bester Gesellschaft. Mit Angehörigen der US Regierung, hochrangigen in Afghanistan stationierten Soldaten, Bankern und natürlich Sie. Schon klar, Sie haben ja nichts gemacht und Ihr Wahlspruch lautet wahrscheinlich: Wo ich mir Appetit hole ist egal, aber essen tu‘ ich zuhause. Da kann man ja auch als Mann Appetit bekommen, leicht slawisch geformte Wangenknochen, schlank, hübsch, hört auf den Namen Robin, das Rotkehlchen. Und nicht (nein, wir sagen jetzt nicht „trotzdem“) auf den Kopf gefallen, wo findet man das schon? Absolventin der Technischen Hochschule in Massachusetts, Analystin für Cybersicherheit der US-Marine, zehn Jahre Berufserfahrung, offen in Ihren Ansichten aber nicht proll. Und wenn die so viel von sich erzählt, na dann ist doch klar, dass Sie sich da nicht als Spießer offenbaren wollen. Nun schämen Sie sich doch nicht gleich. Auch mit anderen Internet-Bekanntschaften tauschte Robin allerlei Daten aus, mit Mitgliedern der US-Armee, des Geheimdienstes, Angestellte von Sicherheitsunternehmen und Auftragnehmer des Weißen Hauses darunter. Robin erhielt Zugang zu E-Mail- und Bankkonten, geheimen Standorten von Militärkontingenten in Afghanistan, vertraulichen Regierungsinformationen. Rasch erfuhr sie, wer mit wem im exklusiven Sicherheitsmilieu der USA verkehrt. Auch Jobangebote blieben nicht aus, sogar als Referentin für Google und den weltgrößten Rüstungskonzern Lockheed Martin. Total normal also? Naja, nicht ganz. Nach 1 Monat kehrte Sie heim zu Ihrem Schöpfer. Nein, sie ist nicht gestorben. Ihr Schöpfer, der bekannte Hacker Ryan der White Hats, hatte sie im Netz erfunden. Das wussten die etwa 300 Menschen natürlich nicht, die sich mit ihr über Facebook, Twitter und Linkedin anfreundeten. Ryan gelang in dieser kurzen Zeit dank seiner Schöpfung Robin, was die Schlapphüte aus aller Welt in vielen Jahren nicht vermochten: unbemerkt in das Innenleben der US-amerikanischen Sicherheit einzudringen. Und, was hat sie von Ihnen erfahren? Wie ich schon sagte, kein Grund rot zu werden. Oh, oder doch?

Samstag, 24. Juli 2010

Beepworld.de - NEWSLETTER #177 vom 13.07.10

Von thofi, 21:31

VORWORT

Fernsehen killt Radio, Video killt Kino, DVD killt Video, Streaming TV killt DVDs, Versandhandel killt Einzelhandel und das Internet killt alle. Wer bucht noch Reisen im Reisebüro? Wer kauft noch CDs im Musikladen, wer bestellt noch Bücher im Buchhandel? Das Internet erobert sich immer weitere Bereiche des Handels und Dienstleistungsbereiches. Viele prominente Opfer hat es schon gegeben, so Karstadt, Kaufhof und Quelle. Kürzlich schockte Amazon den Lebensmittelhandel durch die Ankündigung, jetzt auch Lebensmittel über das Netz zu vertreiben. Verzweifelt versuchen die etablierten Dienstleister und Händler sich wenigsten ein Stück des Kuchens vom Internet zurück zu holen.
Einen interessanten Weg schlägt jetzt die Deutsche Post ein. Nach dem Motto „Stecken wir die eMail in einen Umschlag und kleben wir eine Briefmarke drauf“ will sie die eMail als E-Brief allen Menschen schmackhaft machen. Warum aber sollte jemand für den E-Brief, der auch nur elektronisch versendet wird, 15 Cent zahlen? Weil er dadurch rechtlich verbindlich wird, was aber ein Gesetz verlangt, das wegen Uneinigkeit noch nicht verabschiedet wurde.
Damit aber der elektronische Postbote weiß, wohin er den E-Brief schicken soll, sollen sich möglichst alle bei der Post mit einer E-Brief-Adresse anmelden. Und wer keine solche Adresse hat, aber trotzdem einen E-Brief geschickt bekommt, den bringt der reale Postbote den E-Brief per Umschlag ins Haus, was 35 Cent kostet. Beide Preise sind für Massenversender wie Versicherungen oder anderen Vielrechnungsschreibern immer noch attraktiver als die jetzigen Briefe per Schneckenpost. Attraktiv aber sind sie vor allem für den Anbieter wie den gelben Riesen, oder Konkurrenten. Denn auch der rosa Riese Telekom ist auf der verzweifelten Suche nach neuen Geschäftsmodellen, da ihm die alten u.a. durch Internettelefonie weggebrochen sind. Die Telekom hat flugs ihr vergleichbares Produkt DE-Mail getestet und will es noch vor dem E-Brief auf den Markt bringen. Wer eine eMail Adresse mit .de Endung hat, kann seine Adresse bei der Telekom anmelden und kann damit rechtlich verbindliche DE-Mails empfangen. Pikant, dass sich mit diesen beiden Konkurrenzmodellen zwei Konzerne gegenüberstehen, die früher unter dem gemeinsamen Dach Deutsche Bundespost dem Bund gehörte. Noch pikanter, dass hier zwei alte Platzhirsche versuchen, dem Klassenfeind Internet über dessen eigenen Vertriebsweg ein ordentliches Stück Kuchen abzuschneiden. Konkurrenz belebt das Geschäft und macht innovativ,
meint euer thofi.

GLOSSE

Haben Sie endlich eins ergattert? Ich gratuliere. Wie liegt es in der Hand? Solide, nicht? Und dann die vielen Apps. Ob Sie mit der Wasserwaage den eigenen Horizont vermessen, sich über die Fussballergebnisse freuen, mit dem Barcodereader die Preise einfach einlesen und vergleichen, mit der Fernbedienung ihr Mediazentrum steuern, per Videokonferenz mit Ihren beiden Freunden Schluss machen, das Strafmandat per online Banking zahlen, sich über Börsenkurse aufregen, vom Navi durch Rom führen lassen, Musik hören oder machen, oder den nächsten Avatar in HD drehen wollen.
Können Sie alles mit Ihrem neuen iPhone 4, gelle? Obwohl, da war doch noch, da fehlt doch noch eine Funktion, meinen Sie sich zu erinnern?
Nun werden Sie aber mal nicht unverschämt. Da legt Ihnen Apple für schlappe 1000 Euro ein solches Multitalent in die Hände und Sie verlangen, dass man damit auch noch telefonieren können soll? Wenn alle sich jetzt schon den Hype kaufen, was für einen Anreiz soll es denn dann noch geben, sich auf die folgende Telefongeneration zu freuen? Richtig, das Telefonieren, was mit dem jetzigen iPhone 4 durch schwache Antennenleistung schon, zumindest gelegentlich, aber dann mit Unterbrechungen, funktioniert.
Aber Apple lässt Sie auch als wagemutiger Erstkäufer nicht im Regen stehen. Laden Sie sich doch einfach das neue App als Bugfix auf Ihr smartes iPhone. Dadurch wird zwar die Empfangsleistung nicht besser, aber die Antennenanzeige läßt danach deutlich mehr Balken aufleuchten.

Montag, 28. Juni 2010

Beepworld.de - NEWSLETTER #176 vom 22.06.10

Von thofi, 11:08

VORWORT

In diesen Tagen, Monaten und Jahren lässt sich allerorten zu tiefst Menschliches beobachten. Gut für die Wissenschaft, schlecht für die Welt.
Greifen wir willkürlich ein paar Beispiele heraus. Google: Mit unseren Street View Aufnahmefahrzeugen werden nur Fotos der Häuser und Straßen gemacht, keinerlei sonstige Daten erhoben. Später gestand Google: Durch eine Softwarepanne sind auch private Wlan Netze erfasst worden. Aber nur die technischen Daten, keinerlei Inhalte wurden aufgezeichnet. Noch später musste Google zugeben: unzusammenhängende Fetzen von Inhalten sind aus Versehen wohl auch gelegentlich erfasst worden. Dieser Tage musste Google bekennen: Es sieht so aus, dass auch Passwörter und ganze emails aufgezeichnet worden sind.
Nehmen wir die Datenleckaffären von Telekom, Freenet, oder Deutsche Bank: Aber unsere Kundendaten sind sicher, ahem, waren sicher, grrr, werden künftig sicher sein, ganz sicher.
Und aktuell BP! Die Ölplattform, auf der in 1500 m Meerestiefe nach Öl gebohrt wurde und wegen wohl eingesparter Sicherheitsvorkehrungen durch eine Gasblase explodierte. BP Vorstand Hayward anfangs: Das bisschen ausströmende Öl in diesem riesigen Golf von Mexiko haben wir im Griff. Dann in zeitlicher Abfolge: Kriegen wir in den Griff, werden wir in den Griff kriegen, wollen wir in den Griff kriegen, würden wir gerne in den Griff kriegen, werden wir noch in den Griff kriegen, kriegen wir nicht in den Griff. Die schlimmste Ölkatastrophe der USA hieß es nach einiger Zeit, dann: aller Zeiten, dann: die schlimmste Umweltkatastrophe aller Zeiten, und dann der bemerkenswerte Satz des BP Vorstandschef: „Ich will mein Leben zurück“. Endlich mal Zustimmung, von den bei der Explosion ums Leben gekommenen 11 Ölarbeitern. Für die, die gerne die Augen verschließen:
http://www.ifitwasmyhome.com und http://www.ucbcomedy.com/videos/play/6472/bp-spills-coffee

Zugegeben wird von den Verantwortlichen immer nur so viel, wie gerade nötig ist, um sich für den Moment Luft zu verschaffen. In der heutigen Mediendemokratie mit -zig Millionen Zeitzeugen und Juroren per Twitter, Youtube und Facebook und einem Internet, das keinen Satz, ist er erst mal in der Welt, vergisst, ist diese Art von Krisenmanagement und Kommunikation mit der Öffentlichkeit katastrophal im wahrsten Sinne des Wortes. Wir brauchen eine neue Generation von Topmanagern, die nicht ausschließlich darauf gezüchtet sein darf, wirtschaftlich zu denken. Moderne Technologien schaffen ungeheure Chancen, bergen im selben Ausmaß Risiken, aber haben systemimmanente Schwachpunkte, und die sind immer der Mensch,
meint euer thofi.

GLOSSE

Ja, Sie haben ja recht, naja, im Wesentlichen, obwohl? Doch, doch, allein weil der Kunde immer Recht hat, haben Sie Recht. SIE haben sich beschwert, dass man Beepworlds Anweisungen nur verstehen kann, wenn man Englisch kann. Bei Beepworld herrsche ein wildes D-Englisch. ICH schreibe Ihnen daher jetzt mal eine Anweisung ausschließlich auf Deutsch unter Vermeidung jeglichen Englischs und Sie entscheiden selber, ob Sie damit besser klar kommen:

„Um Ihre Heimseite bei Piepswelt bearbeiten zu können, benötigen Sie nur einen persönlichen Rechner, z.B. mit dem Betriebssystem „Fenster“ der Firma „Winzigweich“, rufen dann die Weichware Piepswelt auf, zeichnen sich ein und schon können Sie Ihre Netzseite bearbeiten. Mit unserer ganz neuen Funktion „Mätzchen“ haben Sie die Möglichkeit, mit einem Mausklick in Ihrem Bearbeiter kleine nützliche Progrämmchen wie „RSS Futter“, „Geschnatter“, „DuRöhre“ oder „Gesichtsbuch“ auf Ihre Seite zu bringen.“
Noch Fragen offen? Na sehen Sie! Geht doch – nicht.

 

Dienstag, 25. Mai 2010

Beepworld.de - NEWSLETTER #175 vom 21.05.10

Von thofi, 09:34

VORWORT

Manchmal hat der Stammtisch eben doch recht. Was technisch möglich ist, wird auch gemacht, Gesetzeslage hin oder her, ungläubiges Kopfschütteln her oder hin. Und wenn Missbrauch aufgedeckt wird, wie jetzt bei Googles Street View Aktion, bei der neben Straßenbilder auch IPs offener WLAN (Drahtlos-) -Netze, und noch schlimmer, auch darüber versendete Inhalte wie emails aufgezeichnet wurden, dann wird gerade nur so viel zugegeben wie ohnehin bekannt.
Wie wenig sich solche globalen Monopolunternehmen wie Google, Marktwert 114 Mrd. US $, um die nationale Politik scheren, zeigt sich auch hier wieder. Google, dessen Wahlspruch „Don´t be evil“ (Tu nichts Böses) ist, verletzt offen den Datenschutz nach deutscher Gesetzeslage, gibt genau auch dies brav zu, entschuldigt sich für diese versehentliche Panne und sichert Löschung dieser Daten zu. Versehentlich ist wohl nur, dass dieser Missbrauch aufgeflogen ist. Aber natürlich lassen wir auch bei Google die Unschuldsvermutung gelten, bis zum nächsten Versehen.
Noch im Gespräch mit unserer couragierten Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner vor 2 Wochen hatte der Konzern abgestritten, dass außer Netzwerk- und IP-Adressen auch andere persönliche Daten gespeichert worden seien.
Aber lassen wir den Google Chef Eric Schmidt zum Thema Privatsphäre selber zu Wort kommen “Wenn es da etwas gibt, von dem du nicht möchtest, dass es die Welt erfährt, solltest du es vielleicht gar nicht erst tun.“ Der Mann hat offenbar noch nie in der Nase gepopelt.
Und schon wird sich am Stammtisch gefragt, welche weiteren „Pannen“ bei Google schlummern, die natürlich nur auffliegen können, wenn irgendjemand die richtigen Fragen stellt. Street View Cars scannen ja noch draußen vor der Tür, dabei haben wir alle Google doch schon längst zu uns nach Hause rein gelassen und hoffen, dass es dort nicht gegen unser Wissen und unseren Willen herumschnüffelt mit Zugriff von Picasa, google maps, youtube, toolbar, search, iGoogle, mail, books usw. usw. usw. auf unsere Rechner,
meint eure thofi.

GLOSSE

Ja, ich weiss ja, die Zeiten sind krisenhaft. Erst die Immobilienkrise, dann die Bankenkrise, in Folge die Wirtschaftskrise, dann die Griechenlandkrise, in Folge die Eurokrise und jetzt droht die Inflation. Und da sollen Sie noch irgendjemanden dazu bewegen können, Ihnen Ihre Produkte ab zu kaufen? Klar wissen Sie wie das Verkaufen geht. Sie werfen 100 Euro für Werbung raus und hoffen, damit 200 Euro wieder einnehmen zu können.
Gewiss doch, es sind harte Zeiten - aber nur für die, die nicht genug Fantasie haben. Nehmen Sie doch da einfach mal so als Beispiel einen gewissen Steve Jobs. Ist ja egal, ob Sie ihn kennen oder nicht. Der hat nicht nur Apple gegründet, sondern ist auch noch bzw. wieder deren Chefguru. Der will im Sommer sein neues iPhone 4G unter die Leute bringen. Das ist so eine Art Handy, wissen Sie? Kennen Sie nicht? Macht nichts, keiner kennt es, denn sein Innenleben, ja sogar sein Aussehen ist besser gehütet, als die Kontodaten der Telekomkunden. Ach so, ne, vielleicht kein so glücklicher Vergleich. Weil der gewisse Herr Jobs aber zu knauserig ist, viele Millionen in die Hand zu nehmen, um das Gerät PR-mäßig ordentlich zu pushen, nimmt er den Prototyp und lässt es verlieren, in einer Kneipe. Vielleicht war ja alles auch ganz anders. Naja, egal, bleiben wir bei den Fakten. Sie können sich die Situation vorstellen, überarbeiteter Apple-Hardwareentwickler, spät abends und müde, noch einen Absacker und dann bleibt es auf den Tresen liegen. Kommt vor. Darauf gelangt das Gerät mirakulöser weise zum einflussreichen Technologieblog Gizmodo, das ausführlich darüber berichtet. Da viele Techjournalisten bei Gizmodo abschreiben, schmunzelt über die Story blitzschnell die ganze Welt. Gratis, versteht sich. Nachdem sich der erste Hype gelegt hat, klagt Apple gegen Gizmodo auf Herausgabe, Gizmodo berichtet darüber, und, naja, der Rest ist wie gehabt. Die Welt erregt sich darüber. Gratis, versteht sich. Und die Vorbestellungen für das neue iPhone steigen in astronomische Höhen.
Und Sie lamentieren immer noch über die Wirtschaftskrise und die teure PR? Wie uncool.