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Das Vorwort & Glosse aus dem Beepworld Newsletter

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Montag, 24. Juni 2013

Beepworld.de - NEWSLETTER #200 vom 25.06.2013

Von thofi, 13:35

VORWORT
Yes, we scan. Die USA hat sich als der größte Feind der Demokratie entlarvt. Mit totalitären Methoden zeichnen die USA und seine englischsprachigen Vasallen spätestens seit 9/11 flächendeckend sämtliche Kommunikationsdaten von Freund und Feind auf, teilweise direkt an der Quelle, also bei Google, Facebook, Microsoft & Co., aber auch durch Anzapfen des transatlantischen Glasfaserkabels, über den der Großteil unseres europäischen Datenverkehrs läuft.
Die pauschale Begründung: Verhinderung von terroristischen Anschlägen. Damit steht jeder Bürger unter Generalverdacht, ohne Ansehen der Person.

Wer digital kommuniziert ist verdächtig. Wer nicht, noch mehr. Aus der unfassbaren Summe der Daten läßt sich von jedem Einzelnen von uns ein exaktes zeitliches und örtliches Bewegungsprofil erstellen. Insgesamt 850.000 Mitarbeiter der amerikanischen nationalen Sicherheitsbehörde NSA haben Zugriff auf diese unsere Daten, so wie auch der junge NSA Mitarbeiter Edward Snowden, der trotz akuter Lebensgefahr die Welt davon in Kenntnis gesetzt hat.

Natürlich hat nicht jeder die Überwachung zu fürchten. Derjenige, der brav konsumiert, ißt, trinkt, ausscheidet, von 9-17.00 arbeitet, sich anschließend bei einem Bierchen entspannt, also einfach funktioniert, im Rahmen der ihm zugestandenen Normalität plus/minus minimaler Abweichung, dessen Leben ohnehin völlig berechenbar ist, braucht dieser größte anzunehmende Datenskandal nicht zu belasten.
Alle anderen schon. Auch unsere Wirtschaft. Welcher europäische Industriekonzern kommuniziert schon seine geheimen Entwicklungsprojekte, Patentideen oder Ausschreibungsangebote ausschließlich über dezentrale speziell gesicherte Leitungen und Datenkanäle? Der technologisch geführte Konkurrenzkampf zwischen dem europäischen Airbus- und dem amerikanischen Boeing-Konzern bekommt dadurch einen ganz eigenen Geschmack. Auch die geopolitische Landschaft ist nachhaltig gestört. Welcher westliche Staatenlenker kann jetzt noch unbedarft in China, Russland oder einem afrikanischen Schurkenstaat Menschenrechte einfordern, wenn das wichtigste Bürgerrecht des modernen Menschen, das seine Menschenwürde bestimmt, das Recht auf seine eigenen Daten und deren Vertraulichkeit, von der „größten Demokratie“ der Welt, den USA, ohne Skrupel völlig missachtet wird?

Für die Glaubwürdigkeit der USA, für den als Heilsbringer verklärten Barack Obama, ist das die größte anzunehmende Katastrophe. Was könnte den USA bei den widerspenstigen europäischen Verbündeten das Vertrauen in die Berechtigung der totalen Überwachung wieder zurück bringen? Ein großer erfolgreicher Anschlag im Westen mit vermutetem terroristischen Hintergrund. Aber so weit wird doch…, meint Euer thofi

GLOSSE

Sie wollen wissen, wie sich das auswirkt? Ganz einfach. Stellen Sie sich vor, Sie schauen TV, ja genau, dieses altmodische Medium, aber immer noch häufig genutzt. Draußen tropisch anmutender Wolkenbruch. Sie sind fest entschlossen, an diesem trägen Tag das Sofa nicht mehr zu verlassen. Popcorn, Schnittchen und ein leckerer Cosmopolitan Drink erleichtert Ihnen diesen Entschluß. Schluß!

Wie? Ja, genau, die sechste Wiederholung von Sex and the City wird immer langsamer, bis die Bilder fast gänzlich stehen bleiben und zu Bauklötzchen werden. Eigentlich nicht schlimm, Sie kennen die Folge ja, können die Dialoge fast auswendig mit sprechen, trotzdem, irgendwie störend. Rütteln an der Satellitenschüssel bringt auch keinen Erfolg. Dann eine Einblendung: “Sie haben ihre zulässige Anzahl an Stunden des öffentlich rechtlichen TVs für diesen Monat verbraucht. Wir haben ihre Bandbreite daher reduziert. Sie können jederzeit unser kostenpflichtiges Upgrade kaufen, um die Anzahl erlaubter Stunden zu erhöhen. Wir wünschen ihnen noch einen angenehmen weiteren Fernsehabend.” Völlig abstrus, dem Gehirn eines lebensfremden Buchhalters entsprungen? Nein, d.h. ja. Die Telekom plant genau dies. Eine Tempo-Drosselung beim Festnetz-Internet, wenn gewisse Datenvolumina im Monat überschritten wurden. Aber man kann natürlich jederzeit ein monatliches Upgrade kaufen, um das Freivolumen zu erhöhen.

Früher haben wir das “Preiserhöhung durch die Hintertür” genannt. Aber in diesem kompetitiven Umfeld sind Preiserhöhungen natürlich nicht durch zu setzen, ohne massiv Kunden zu verlieren. Der Kunde wird´s schon nicht merken.
Also gibt´s bald unbegrenztes Surfen bei der Telekom, bis zu einer gewissen Grenze natürlich. Aber was ist schon grenzenlos und damit unendlich, nicht einmal das Weltall. Obwohl, war das nicht Albert Einstein, kein Telekom-Manager, sondern ein Genie, der von Unendlichkeit redete, und der muss es wissen: Er sprach von der Unendlichkeit menschlicher Dummheit.