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Das Vorwort & Glosse aus dem Beepworld Newsletter

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Montag, 08. Oktober 2012

Beepworld.de - NEWSLETTER #197 vom 02.10.2012

Von thofi, 11:06
VORWORT
“Wenn das Gehirn nichts zu tun hat, verkümmert es.” So begründet der Ulmer Hirnforscher und Vielschreiber Manfred Spitzer in seinem neuesten Buch die “Digitale Demenz“, die uns durch exzessive Nutzung digitaler Medien droht. Digitale Medien machen süchtig. Sie schaden langfristig dem Körper und Geist. Wenn wir unsere Denkarbeit auslagern, schwächelt das Gedächtnis, so Spitzer.

Er plädiert vor allem bei Kindern für Einschränkung der Nutzung. Klingt erst mal einleuchtend. Auf dem zweiten Blick nicht mehr ganz so.
Der Tag lässt sich nicht beliebig dehnen, also geht die digitale Mediennutzung zu Lasten des TV Konsums. Und schwachsinnige, verblödende Sendungen gibt es bereits seit der Einführung des privaten TVs am 1. Jan 1984. Ob „Bauer sucht Frau“ das Gehirn mehr aktiviert als Facebook, YouTube Videos und Flickr Fotoshows zu erstellen, skypen oder komplexe Computerspiele zu bedienen wage ich sehr zu bezweifeln.
Und ob Fakten aus Wikipedia heraus zu suchen und sie im gewünschten Kontext korrekt zu verwenden dümmer macht, als das Gleiche im dickleibigen Brockhaus aufzuschlagen, wage ich gar nicht mehr zu bezweifeln. Es ist nicht so. Wenn vom Schulstoff ca. 20% hängen bleibt, wie gesagt wird, dann führt die unvergleichlich häufigere Nutzung von Wikipedia, einfach weil der Zugang so bequem ist, irgendwann zu deutlich mehr Wissen, das unvermeidlich in den Hirnen hängen bleibt.
In der Jugend soll man das lernen, was man zum Leben als Erwachsener benötigt. Wie aber wird die Berufs- und Erwachsenenwelt für die jetzige Kindergeneration aussehen? Die allermeisten Jobs werden direkt oder indirekt mit dem Internet und PC zusammenhängen, also multimedial sein. Und genau diese Beschäftigung der Jugendlichen wird von Spitzer kritisiert.

Wir haben zwar verlernt zu Reiten, weil das Auto erfunden wurde, aber wie viele Jobs heutzutage benötigen diese Fähigkeit noch, wie viele dagegen den Führerschein? Will sagen, die Nutzung der digitalen Medien ist eine notwendige Voraussetzung für unsere Kinder zur Vorbereitung auf das Erwachsenenleben.
Die Frage stellt sich aber zu recht: Ist es auch hinreichend?
Überlassen wir damit dem Computer das Denken? Ganz sicher nicht, sondern nur die Wissensbeschaffung und Vermittlung. Zum Denken gehört sicher mehr, so die Verarbeitung des Wissens, die Vernetzung, die Einordnung in ein Weltbild. Und hier kommt tatsächlich etwas deutlich zu kurz, wenn man nur nach schnellen Informationen im Netz sucht: der klassische Leitartikel, der Übersichtsartikel, der Vortrag, der zwar das Wissen voraussetzt, dieses aber in ein Erklärungsmodell einzuordnen weiß, es in Perspektive zu setzen vermag, damit es im Gehirn des Lesers oder Zuhörers im Idealfall „Klick“ macht, und aus eins plus eins drei entsteht.
Und hier kommt die unverzichtbare, wenn auch veränderte Rolle der Eltern, Lehrer, Politiker und Journalisten ins Spiel. Wir sind nicht mehr die Quelle des Wissens für die heranwachsende Generation, sondern die die ihnen helfen, aus den vielen im Kopf vorhandenen isolierten Informationsbruchstücken und -Fäden eine funktionierende Sicht auf die Welt entstehen zu lassen, meint euer thofi

GLOSSE

Sie dürfen natürlich, naja, irgendwann, wenn Sie Glück haben, in ein paar Wochen, dann aber höchstens zweimal. Dafür kriegen Sie auch was Solides, Glänzendes, wenn auch nicht übermäßig innovatives. Eins aber dürfen Sie sicher: deutlich mehr bezahlen, als bei der Konkurrenz. Kurz und gut: Es ist einfach sexy das Teil.
Auch Sie wollen, dass es Ihnen gehört, damit Sie dazu gehören, zur technischen Avantgarde. Rund 250 Mio. Menschen gehören bereits zu diesem exklusiven Zirkel, die sich übrigens sofort unter einander erkennen, ein leichtes anerkennendes Nicken, wenn sie es herausziehen und lässig auf den Tisch vor sich legen. Sie aber wollen mehr, kein Nicken, sondern in Panik geweitete Augen, Schweißperlen auf der Stirn und verschämtes Wegstecken des 4GS ihres Gegenübers. Trumpfen wollen Sie mit dem neuen Apple iPhone 5, gerade erst vorgestellt, und mit viel Glück in einigen Wochen lieferbar, maximal 2 pro Bestellung erlaubt, das heizt an.
Technisch nichts aufregend Neues, teurer als jemals zuvor, aber die Panik in den Augen des verschämten 4 GS Besitzers, des aktuellen Vorgängermodells, das ist ihnen das alles wert.