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Das Vorwort & Glosse aus dem Beepworld Newsletter

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Freitag, 24. Februar 2012

Beepworld.de NEWSLETTER #194 vom 19.02.2012

Von thofi, 11:22

 VORWORT

Es gibt Dinge im Leben, die gehen einfach nicht. Und wer es trotzdem versucht, landet erfahrungsgemäß auf der Nase, eine sehr unbequeme Körperstellung.
Dazu gehören zum einen (1) größere Änderungen durchsetzen zu wollen, ohne die Betroffenen dazu anzuhören oder gar zu beteiligen. Unter Stichwort Stuttgart21 kann jeder die Ursachen und Folgen nachlesen. Zum anderen (2) sollte man tunlichst nicht gegen die eigenen Kunden kämpfen.
Kapieren muss so mancher Anbieter auch erst mühsam, dass im Internet auch Nichtzahler Kunden sind, weil die schiere Anzahl der Nutzer eine Macht an sich darstellen, siehe Facebook.
Kommen (1) und (2) zusammen, kann die erzwungene neue Körperhaltung sehr sehr schmerzhaft werden.
Spät, wenn auch noch nicht zu spät hat das die Bundesregierung erkannt, zusammen mit manchen anderen Regierungen, und haben die Unterschrift unter das zum Abnicken vorliegende ACTA Gesetzeswerk der EU vorerst verweigert. Protestierer in großer Zahl, die weltweit gegen ACTA auf die Straße gegangen sind, haben bei diesem Erkenntnisprozess sicher geholfen.
Das zwischenstaatliche internationale Gesetzesvorhaben ACTA soll die Produktpiraterie weltweit eindämmen und ist von den großen Rechteinhabern mithilfe der amerikanischen Regierung neben Japan und Entwicklungsländern auch der EU zur Unterschrift angedient worden. Dort wird der Vertrag seit 2008 verhandelt ohne die Öffentlichkeit einzubeziehen. Erst durch einen Beschluss des EU-Parlaments wurde der Wortlaut des Vertrags öffentlich. Sonst wäre er wohl von den jeweiligen nationalen Regierungen ohne störendes Aufsehen durchgewinkt worden.
Wird ACTA ratifiziert, müssen Provider künftig gesetzlich verpflichtend ein System etablieren um Inhalte und Userverhalten zu verfolgen und ggf. Methoden wie Netzsperrung o.ä. anzuwenden, um entsprechende Nutzer an ihrem Treiben zu hindern. Nicht nur der Aufwand ist gewaltig, den die Provider unentgeldlich leisten müssen. Die Erfahrung lehrt: Ist ein solches System der völligen Kontrollmöglichkeit von Usern bei den Providern erst mal etabliert, also die technischen Voraussetzungen geschaffen, wird es auch fernab von der Bekämpfung von Produktpiraterie eingesetzt werden.
Wer würde sich dem auch z.B. nach einem größeren Terroranschlag im eigenen Lande verweigern wollen. Ab dann ist es nicht mehr eine Frage des „ob“ sondern des „wie oft und wofür“ die totale Kontrollmöglichkeit des Netzes genutzt wird.
Womit soll diese massive Einschränkung der Netzfreiheit aufgewogen werden? Im Wesentlichen um den Rechteinhabern ihre längst überfälligen mühsamen Hausaufgaben zu ersparen, einen Vorschlag zur Anpassung des alten Urheberrechts und Patentrechts an das digitale Zeitalter auszuarbeiten, damit es die Rechte der Urheber zwar schützt aber das freie Internet nicht knebelt.
Manchmal hilft ein Blick zurück in die digitale Vergangenheit um die Zukunft klarer zu sehen. Die schnelle Durchsetzung eines Industriestandards vieler Microsoftprodukte ist fast ausschließlich den millionenfachen Raubkopien zu verdanken. Software, die anfangs mehr als 1000 DM kostete, wie einzelne MS Office-Programme in den Anfangsjahren, sind einfach nicht massentauglich und wären ohne Raubkopien Nischenprodukte geblieben. Es ist nicht so, das Microsoft durch die Raubkopien Pleite gegangen wäre. Der riesige Erfolg von Apples iTunes, ob für kostenpflichtige Musikdownloads oder Apps, liegt vor allem auch an der transparenten und überzeugenden Preisgestaltung. Jeder Song unter 1 Euro, die App in der Regel 0,79 Euro.
Die Rechteinhaber sollten für und nicht gegen ihre Kunden kämpfen. Für heißt, die Mechanismen des freien Internet für sich zu nutzen und eine kompromissfähige Preisgestaltung vor zu nehmen. Es gibt immer eine Preisschwelle und Einfachheit des Handlings, ab der sich der Kauf für den Nutzer mehr lohnt als die Anstrengungen des Raubkopierens oder der illegalen Nutzung. Ohne Vertriebskosten und automatisches Inkasso lohnen sich kleine Beträge, Millionen mal einkassiert mehr als hohe Beträge wenige Male zu berechnen.
Was auf keinen Fall geht, die kostbare Freiheit des Internet, die ursächlich für eine grenzenlose Effizienzsteigerung in der alten Wirtschaft war, und ganz neue Wirtschaftszweige geschaffen hat, auch in manchen Revolutionen jüngeren Datums unverzichtbar war, als Kollateralschaden zu gefährden für einen obskuren Versuch mit äußerst zweifelhaften Erfolgsaussichten, die Produktpiraterie zu bekämpfen. Auch hier wäre der Preis in jedem Fall zu hoch für eine offene, moderne Gesellschaft. Und letztere sollten wir angesichts massiver unübersehbarer Tendenzen zu antiaufklärerischen, tendenziell sogar fundamentalistischen Bewegungen weltweit als hochgradig gefährdetes Gut bedingungslos schützen,
meint euer thofi.

 GLOSSE

Warum haben Sie damals nur darauf bestanden, Lohn oder Gehalt zu bekommen. Hätten Sie für lau gearbeitet, ja dann, dann wären Sie bald reich, aber so richtig, stinkreich. Nehmen wir nur mal an, Sie hätten damals, 2004, bei der Gründung von Facebook bei diesem Milchbubi Mark Zuckerberg angeheuert.
Hahaha, lustige Sachen haben die damals programmiert: Wer isst gerne Eiscreme mit Waldmeistergeschmack und lebt im Valley. Alle die passen doch schon mal zusammen. Jeder Mitarbeiter der ersten Stunde bekam ein beschämend niedriges Gehalt und hahaha, so einen Wisch wo was von Firmenanteilen drauf stand. Hätten Sie 3 Jahre kalifornische Lockerheit durchgehalten, hätten Sie zusammen mit Mark und einigen Mitarbeitern 2007 das dreißigmillionste Mitglied feiern können und eine Firmenbewertung von 10 Mrd. USD. Absoluter Wahnsinn. Hätten Sie bis heute durchgehalten, wären es 850 Mio. Mitglieder und knapp 100 Mrd. USD.
Die Mitarbeiter der ersten Stunde werden beim jetzt anstehenden Börsengang alle Multimillionär mit ihren winzigen Firmenanteilen. Ja, warum haben Sie vor 8 Jahren Mark Zuckerberg nicht angeboten, ganz umsonst zu arbeiten, nur gegen Firmenanteile? Genommen wurde damals fast jeder, der programmieren konnte und sich auf so was Riskantes einlassen wollte. Selbst ein zehntausendstel Anteil an Facebook wäre heute rund 10 Mio. USD wert.
Merken Sie was? Ihnen fehlt es einfach an Mut, auch mal riskante Dinge zu tun. Lieber 8 Jahre im Sturm stehen als ein Leben lang im Windschatten.