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Das Vorwort & Glosse aus dem Beepworld Newsletter

aus dem seit 10 Jahren erscheinenden Beepworld Newsletter



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Dienstag, 13. Dezember 2011

Beepworld.de - NEWSLETTER #192 vom 13.12.2011

Von thofi, 10:25

VORWORT

Die Geschichte lehrt, was machbar ist, wird gemacht, was technisch möglich ist, wird irgendwann auch eingesetzt. Daher der vehemente Protest gegen das geplante Internet-Zugangserschwerungsgesetz in Deutschland. Die Online-Petition dagegen hatten 134.000 Menschen unterschrieben. Die nötige Infrastruktur, um missliebige Seiten wie Porno-Webseiten oder Tauschbörsen beim Aufrufen mit einem Stoppschild zu versehen, hätte den Einstieg in die Kontrolle über das Internet bedeutet. Wie diese Zensur-Technologie im Extremfall gegen die eigenen Bürger eingesetzt werden könnte, sieht man im repressiven Iran. Der Protest hatte Erfolg. Der Deutsche Bundestag hat am 1. Dezember 2011 mit den Stimmen aller Fraktionen dieses Gesetz vorzeitig aufgehoben.

Jetzt droht ein viel schärferes Gesetz den Kongress in den USA zu passieren, das das freie Internet existenziell bedroht, und jeder weiß, dass die USA mit seiner zentralen Funktion beim Betrieb der globalen Internet-Infrastruktur nicht an den eigenen Staatsgrenzen Halt macht. Mit Domainsperren, Zahlungsstopp, und Werbeblockaden sollen Urheberrechtsverletzungen und Pornografie im Netz verhindert werden. Doch im Netz formiert sich der Widerstand – auch von Netzkonzernen wie Google, Facebook, Ebay, Yahoo, Wikimedia und Mozilla Foundation.

Hunderte Domainnamen, die sie als Brutstätten der Urheberrechtsverletzungen ansahen, haben US Behörden kürzlich kurzerhand beschlagnahmt und mit einem martialischen Warnhinweis versehen. Nicht nur Domainregistrare auch andere Firmen wie Zahlungsdienstleister und Werbenetzwerke sollen die Blockaden durchsetzen. Mehr noch: US-Provider sollen ihren Kunden den Zugriff auf solche Seiten verwehren.

Wer denkt, dass uns Verhinderung von Pornoseiten und Urheberrechts-verletzungen diesen Eingriff in das freie Netz wert sein müsste, der sollte sich fragen: wie groß ist der Aufwand für die Regierung, wenn diese Infrastruktur zur Netzsperre erst mal eingerichtet ist, statt pornografischer Seiten oder Tauschbörsen auch z.B. regierungskritische Seiten zu sperren?

Beepworld erhält jetzt bereits fast täglich Sperrungsaufforderungen von Google mit unmissverständlich drohendem Tonfall, dass unser Beepworld Adwords Account noch aktiv bleibt, sofern wir die genannten Seiten umgehend sperren. Häufig handelt es sich dabei um völlig harmlose Seiten, in denen z.B. im Text das Wort „Escortservice" auftaucht, oder ein Berufsfotograf oder Künstler einen Rückenakt ausstellt. Mit Google diskutieren? Ausgeschlossen.

1 Mio. Unterstützer hat die Online-Petition gegen den US Gesetzesentwurf bereits gefunden. Man kann sich dem Protest mit diesem Link anschließen:

http://www.avaaz.org/de/save_the_internet/?cl=1420853128&v=11318

informiert euch Euer thofi

 GLOSSE

Es gibt solche und solche, bei Ihnen doch auch, stimmt´s? Solche Bilder, die Sie in der Öffentlichkeit zeigen können, naja, und dann haben Sie sicher solche, die Sie nur einem kleinen, sehr kleinen, ggf. sehr sehr kleinen Kreis zugänglich machen wollen, vielleicht nur der eigenen Ehefrau oder Freundin, z.B. die Bilder von gestern Abend, als Sie Beide voll des süßen Weihnachtspunsches zur Kamera griffen. So betrunken waren Sie natürlich auch nicht, dass Sie nicht darauf geachtet hätten, diese sehr speziellen Fotos nur in Ihrem geschützten privaten Fotoalbum auf Facebook zu platzieren. Ja, und heute Morgen haben Sie sich sicher gefragt, warum Ihre Arbeitskollegen Sie so fröhlich angrinsten.

Sehen Sie, das haben Sie mit Mark Zuckerberg, dem Gründer von Facebook, gemeinsam. Als durch eine Softwarepanne auf Facebook, die wievielste eigentlich, seine höchst privaten Fotos den passwortgeschützten höchst privaten Bereich unfreiwillig verließen, grinsten nicht nur ein paar Arbeitskollegen, sondern einige zig Millionen Facebooknutzer. Durch den Programmierfehler war es zeitweise möglich, an geschützte Bilder einiger Nutzer heranzukommen, bestätigte Facebook zähneknirschend. Seither wissen wir, wie Zuckerberg mit Kochschürze aussieht und dass er gerne Hühnchen isst. Ich empfehle Ihnen also dringend darauf zu achten, auch bei höchst privaten Fotos immer eine gute Figur zu machen. Bei dem lockeren Umgang der großen sozialen Netze mit den privaten Daten seiner Nutzer ist nicht mehr die Frage ob, sondern nur noch wann die eigene Privatsphäre in die Öffentlichkeit gerät. Endlich werde ich erfahren, was Sie, verehrter Leser, so am Heiligabend in unbeobachteten Momenten tun. Lächeln.