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Das Vorwort & Glosse aus dem Beepworld Newsletter

aus dem seit 10 Jahren erscheinenden Beepworld Newsletter


Beepworld.de - NEWSLETTER #193 vom 22.01.2012

Von thofi, 24.01.2012, 11:14

 VORWORT

Was kommt raus, wenn man die Wikipedia Philosophie des WIR statt ICH mit dem Anspruch an totale Mobilität mixt? Ein neuer hipper Megatrend: Teilen, leihen, tauschen, nutzen statt besitzen.
Statussymbol Auto? Bei der Jugend längst vorbei. Wer nur mal einen Tag raus aus der Stadt muss, leiht sich ein Auto völlig unkompliziert von Privatpersonen auf www.tamyca.de. Wer ein fremdes Land kennen lernen will als Nichttourist, mitten im Kiez statt im sterilen Hotel wohnen will, bucht sich private Unterkünfte für wenige Euros oder Dollars weltweit auf www.9flats.com oder www.airbnb.com. Wer eine Unterwasserkamera für einen Urlaub braucht, auf seine Bohrmaschine aber gut verzichten kann, der tauscht auf www.netcycler.de
Die Deutschen horten ungenutzte Gegenstände im Wert von 35 Mrd. einer kürzlichen eBay-Studie zufolge. Mit niedrigen Zinsen und geborgtem Geld wird dafür gesorgt, dass dieser Konsumrausch niemals aufhört. Wirtschaft, Finanzwirtschaft und Politik in einem faustischen Pakt fürchten kaum etwas mehr als dass keiner mehr was Neues braucht, nur noch das Wenige produziert werden müsste, was wirklich benötigt wird. Denn ohne ständige Steigerung des Bruttosozialprodukts könnte der Staat seine Kredite nicht mehr tilgen.
Es könnte sein, dass der neue Trend „Tauschen statt Kaufen“ einen Ideologiewechsel einläutet.
Statt der Steigerung des Bruttosozialproduktes hinterher zu hecheln, könnte den Menschen die Steigerung des persönlichen Lebensglücks immer wichtiger werden. Da fragt sich der rational begabte Mensch natürlich, warum erst jetzt, nicht schon früher?
Erst jetzt, mit einer flächendeckenden Anbindung ans Internet selbst von unterwegs mit dem Smartphone, haben wir das notwendige Werkzeug dazu, und die Sinnkrise durch die permanente Finanz-und Wirtschaftskrise lässt die Zeit einfach reif dafür erscheinen,
meint Euer thofi

 GLOSSE

Entsinnen Sie sich an Ihr erstes Mal? Sicher schon lange her. Und danach, jemals wieder erneut probiert? Bitte ehrlich sein, was sollen Ihre Kinder von Ihnen denken, wenn Sie jetzt „Nein“ sagen? „Nein“ ist bekanntlich das schwierigste Wort der Welt: „Nein“, ich will auf die Richtige/den Richtigen warten, „Nein“, das ist mir zu teuer, oder „Nein“, das ist mir zu wenig. Manchmal kann das Wort „Nein“ aber auch sehr viel teurer werden, als nur eine möglicherweise romantische Erinnerung zu verhindern.
Greifen wir mal ein willkürliches Beispiel heraus: Microsoft umwarb den Yahoo-Gründer Jerry Yang 2008 mit schmeichelnden Worten und einem Brautgeschenk von 45 Mrd. US Dollar. Doch Yang sagte „Nein, der Bräutigam ist mir zu hässlich.“ Vor Kurzem aber sagte Jerry endlich „Ja, ich gehe“, und verließ das Unternehmen.
Leider ist die Braut jetzt nicht mehr ganz so attraktiv, keiner will sie mehr ehelichen. Sie ist aktuell nur noch weniger als 20 Mrd. USD wert. In 3-4 Jahren hat Jerry die Braut Yahoo um rund 25 Mrd. USD abgehübscht, eine rekordverdächtige Leistung. Und was hat Sie Ihr erstes „Nein“ gekostet?

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